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Jüdische Turnzeitung · 1912-11-01 · 11/12 (11.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
11/12 (11.1912)
Date
1912-11-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 11-12 209 kann. Macht uns, die Nachgeborenen schon der Anblick des toten Hellas zu Hellenisten, wie schwer, wie unendlich schwer muß es gewesen sein, Nichthellenist zu bleiben, da Hellas lebendige Schönheit noch lockte! Immer wieder nennt man uns als die Haupterscheinungen der hellenistischen Epoche. Cirkus und Arena. Und gewiß, es war etwas Fremdes, nicht nur Unjüdisches, sondern ganz allgemein Unorientalisches, was da mit nackten gesalbten alledem auf den öffentlichen Kampfplatz herniederstieg. Das körperliche Ideal der jüdischen Jugend war bisher der hagere, zähe Leib des Bedninen, des Wüstenmenschen gewesen, der sich keusch in den weiten flatternden Burnus hüllte. Jetzt zeigte man ihm etwas Neues, Höheres: den menschlichen Körper, wie er höchste Leistungsfähigkeit mit größter Anmut paarte, einen Körper, den harte Arbeit nicht zum anpassungsfähigsten Organismus auf Kosten der Schönheit gemacht, sondern den absichtsvolles Spiel, den Sport zum ausdrucksvollsten Träger und Werkzeug des Geistes und der Seele gemacht hatten! Wir wollen hier über den Hellenismus nicht rechten; aber daß damals die jüdische Jugend hellenistischer Körperkultur huldigte, das sollten wir jüdischen Turner von heute am besten verstehen, die wir in ernster, hingebungsvoller Arbeit bestrebt sind, von unserem Körper die Male der Schwäche und der Ohnmacht zu tilgen, die jahrhundertelange Qhettohaft «ns aufgedrückt haben! Die neben dem geistigen Zukunftsideal auch für die körperliche Erscheinung des Juden für künftige Tage Höheres und Edleres erwarten, die jüdischen Turner und Turnerinnen, sie mögen in das Meer der Zeit hinabgrüßen: Jene, die „Hellenisten" waren, wenn sie es waren, aus der Liebe zur Schönheit der jüdischen Rasse! Die Schönheit hat dem jüdischen Volke nie gefehlt, und sie lebt heut noch in ihm! Wie mag das Oeistesheldenpaar Mose und Aharon anzusehen gewesen sein? Wie mag die Lockenpracht eines Simson das Reckenhaupt umspielt haben? Wer kann sich König Salomon anders denken, als mit der Hoheit des Herrschers in Antlitz und Qebärdel Wie träumen wir uns einen Bar Kochba, wie denken wir uns den Helden dieser Zeit, Juda, den Hämmerer? Wer malt Ruths sanfte Schönheit, wer schildert die Hoheit einer Esther? Und steht nicht vor uns das Antlitz Theodor Herzls, dieses Antlitz des Edeljuden in seiner höchsten Vollendung! Das Lichterfest, das Siegesfest des Judentums über Hellas, es ist zum besonderen Festtag der Jüdischen Turnerschaft geworden, die bewußt den Weg wieder aufnimmt zum althellenischen Schönheitsideal. Nicht umsonst schmücken sich viele unserer Vereine mit dem Namen „Maccabl", dem Namen Judas des Starken! Er und Bar Kochba sind Helden des Jüdischen Volkes, und wir wollen ein jüdisches Volk schaffen, nicht nur ein „priesterliches, heiliges Volk", sondern auch ein „heldenhaftes, starkes Volk". Darin mag das wiedergekehrte Fest der Tempelweihe uns aufs Neue bestftrken. Laßt uns unsere Körper weihen zum Tempel jüdischer Schönheit! Laßt uns Priester sein über den Tempel des eigenen Leibes, laßt ihn uns reinigen von Make! und Häßlichkeit! Das Ist auch eine Tempelweihe!

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