Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 11/12 (11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4921092-5965022-5965348--3426-4922181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
208 No. 11-12 zelne Mitglieder des Ausschusses hielten zur Propagierung unserer Ideen Vorträge in verschiedenen Städten. Es sprachen in den letzten Wochen Qreifenhagen in Berlin, Breslau und Dresden; Unna in Berlin und Stettin; Doernberg in Berlin. Berlin, im Dezember 1912. Der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft. Unna. Hellenisches Judentum. Von Cheskel Zwi Klötzel. Nur wenige Wochen sind es her, da ich auf dem Trümmerfeld der Akropolis von Athen stand. Und ein Empfinden beseelte mich, wie es Erzvater Jakob befiel am Ort, da die Qottheit im Traum sich ihm offenbarte: „mah norah hamakom hasehl" — wie ehrfurchtgebietend ist diese Stätte! Dastehen ernste, hohe Säulen, die auf die Tage eines Perikles schon herabgesehen haben, da ruhen Kapitale und Torsi am Boden, mit dem Stempel der Ewigkeit auf den gestürzten Leibern. Das oft Qeträumte, es ist traumhafte Gewißheit geworden, auf dem einzigen Fleckchen Erde zu stehen, von dem man andächtig wohl sagen darf: hier ist Hellas, Hellas auch heut noch! Und nichts stört diesen Qedanken, wenn man vom stolzen Götterberg über die weite, kahle Ebene zum Meer schaut. Phalerons und Piräus moderne Häuserketten verdecken Hügel,, und so kann man sich einspinnen in die Oedanken an vergangene Herrlichkeit und sie wohl wieder emporzauberu mit der unbesiegbaren Sehnsucht nach all der vollendeten Schönheit, die hier geblüht, und von der uns der Neid der Zeit nichts ließ als Trümmerreste, die in ihrer Zerstörung noch hinausragen über alles, was spätere Zeiten an Schönheit in Stein und Marmor zu legen vermocht haben. Und wenn man dann hinabsteigt in das moderne Athen, und wenn man längst wieder durch die Wogen des Mittelmeers hinsteuert, immer wieder steht sie einem vor Augen: die Akropolis! Und wenn man dann zwischen Maulbeer- und Olivenbäumen auf Korfu hinaufsteigt zum freundlichen Qasturi, zum Paradies des Achilleion, dann erblickt man wohl auf dem Wege das Heraantlitz einer jungen Korfotin, die die Amphora mit demselben wunderbaren Anstand auf dem stolzen Haupte trägt, wie ihn einst ihre Schwestern trugen, die zu dem graziösen Viketempel wallfahrten, um von der Qöttin Liebesglück zu erflehen. Und mit frohem, beglückendem Erstaunen wird man's inne: es gibt noch lebendiges Hellenentum, die wunderbare Körperkultur des alten Hellas vermag noch heute die Gestalten seiner Nachfahren mit unauslöschlichem Adel zu schmücken. Aber wer als Jude dem alten Hellas seinen Zoll an Begeisterung gibt, dem wird sich sehr bald ein Bild vor die Seele stellen, an das uns die Tage unseres schönen, lichten Chanukahfestes besonders mahnen, ein Bild, das das Hellenentum im Kampf zeigt mit dem jüdischen Geist. Und unabweisbar drängt sich uns der Qedanke auf, daß das Wort „Hellenist" einmal im jüdischen Munde ein Schimpfwort gewesen. Und doch, uns will's scheinen, als ob dieses Wort gar so sehr schimpflich nicht gewesen sein