Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 11/12 (11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965022-5965348--3423-4922178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 11-12 205 wicklungsmöglichkeiten. Gebt uns den Fonds, sie auszunutzen. Schafft mit vereinten Kräften mit möglichster Eile einen seiner Bedeutung entsp rechenden Organisatiosfonds! Der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft Unna. Enkel des Ghetto! Die jüdische Turnbewegung, wie wir sie vertreten, hat gerade im letzten Halbjahr große Fortschritte gemacht. Speziell in Deutschland sind unsere Turnorganisationen stark gewachsen und neue jüdischnationale Turnvereine ständig im Werden. Wir dürfen unsere Erfolge freudig verzeichnen "nd ohne eitlen Stolz, denn sie sind weniger die Frucht unserer persönlichen Arbeit (wenn wir auch unsere Leistungen nicht aus falscher Bescheidenheit zu verkleinern brauchen!), als der Sieg unserer jüdischnationalen Ideen. Wir dürfen zufrieden sein. Aber wie um uns zu hindern, auf errungenen Lorbeeren auszuruhen, werden wir von Zeit zu Zeit energisch daran erinnert, daß wir noch lange nicht am Ziel sind. Daß ein großer Teil der jüdischen •'««nd noch tief in der inneren Unfreiheit des Ghetto haftet, daß das Wort vom jüdischen Stammesstolz bei vielen Juden nichts als hohle Phrasendrescherei bedeutet. In diesem Zusammenhang muß ich mich leider heute wiederum mit dem „Verbände der jüdischen Jugendvereine in Deutschland" befassen. °enn ich halte es für meine Pflicht, alle Dokumente zur Frage der Jüdischen •Jugend zu registrieren. Auch die wenig erfreulichen. Der in allen Fragen neutrale Verband hat beschlossen, die Pflege des Turnens in sein Programm aufzunehmen. An und lür sich ein erfreulicher Beschluß. Denn erstens 'st er geeignet, wenigstens etwas Positives in das Programm des Verbandes hineinzutragen. Und das ist wohl das unausgesprochene Motiv dieses Beschlusses. Und zweitens können wir die Verbreitung der Körperpflege unter den Juden doch nur als einen Erfolg unserer unablässigen Aufklärung begrüßen. Aber auf Jeden, dem die Erziehung unserer Jugend ernst ist, wirkt es geradezu empörend und niederschmetternd, wenn er die offiziöse Begründung dieses Beschlusses erfährt. Man studiere die sogenannten „Gedanken über das Turnen der Jüdischen Jugend", die Herr Dr. R. Schuster-Aachen im Heft 10 der offiziellen ••Mitteilungen" des Verbandes der jüdischen Jugend zum Besten gibt. Ich habe Grund, anzunehmen, daß der Verfasser ernst genommen werden will, well er sich schon des öfteren mit diesem Thema befaßt hat. Also wollen wir ihm den Gefallen tun, wenn es auch schwer fällt. Zunächst gerät Herr °r- Schuster in eine sehr heikle Situation, die des Tragikomischen nicht entbehrt Seine erste Sorge ist natürlich: Was werden die Nlchtjuden zu den Jüdischen Turnabteilungen sagen? Und da liegt (selbst für Herrn Schuster) d'e Vermutung nicht ganz fern, daß die vorurteilslosen Christen diese Organisationen glattweg als .jüdisch" bezeichnen könnten. Höchst peinlich, wirklich zu peinlich. Für deutsche Turner mosaischer Konfession geradezu