Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1912-09-01 · 9/10 (9.1912) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
9/10 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4921092-5965022-5965347--3407-4922163
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

194 No. 9-10 gewicht auf den privatrechtlichen Erwerb des Bodens legten und der politische Zionismus die Idee der öffentlich-rechtlichen Sicherung verkündete, bricht sich Jetzt die Erkenntnis Bahn, daß es auch einen dritten Faktor gibt, der von ebenso großer Bedeutung für die Zukunft der Kolonisation ist, nämlich: Die jüdische Arbeit auf jüdischem Boden. Man ist heute wohl allgemein zu der Ansicht gekommen, daß ein Plantagenbesitz in Palästina, auf dem lediglich nichtjüdische Arbeiter beschäftigt werden, sich nicht wesentlich von einem jüdischen Gute in Galizien unterscheidet, auf dem nur polnische oder ruthenische Arbeiter zu finden sind. Der Jüdische Nationalfonds, der sich aus kleinen Anfängen zu einer der mächtigsten jüdischen Weltinstitutionen emporgeschwungen hat, und der im letzten Jahre eine Jahreseinnahme in Höhe von 700 000 Frs. aufweisen konnte, hat die Wichtigkeit und weittragende Bedeutung die: es neuesten Prinzips klar erkannt und seine Tätigkeit danach eingerichtet. Nicht nur, daß er auf seinen OUtern und in den Siedlungen der von ihm geförderten Gesellschaften — (Siedlungsgesellschaft [„Erez Israel"], Palestine Land Development Company), in Hu 1 da und Benschemen bei Jaffa, in Me rc h a w j a, in der Ebene Jesreel, in K i n e r e t h und D a g a n i a am Tiberiasee — eine große, im stetigen Wachsen begriffene Zahl von jüdischen Arbeitern beschäftigt. Er hat sich auch der Arbeiterfürsorge in den Kolonien zugewandt und kann auf diesem Gebjete bereits auf bedeutende Erfolge hinweisen. In den Kolonien Petach Tikwah und Chedera hat er mit einem Kostenaufwand von 40 000 Frs. für die unverheirateten Arbeiter Heime gegründet, an deren weiteren Ausbau jetzt geschritten wird. Durch eine Spende des Herrn Ing. Salomon Halperin aus Kiew in Höhe von 30000 Frs. wird er in die Lage versetzt, ein großes Heim in der Siedlungsgenossenschaft Merchawja, sowie Einzelhäuser für aschkenasische und yemenitische Arbeiterfamilien zu bauen. Der Bau von zwölf yemenitischen Häusern in Petach Tikwah und von drei Häusern für aschkenasische Arbeiter, gleichfalls in Petach Tikwah oder in Chedera, soll demnächst in Angriff genommen werden. Diese Tätigkeit reicht aber noch nicht entfernt hin, um dem großen Mangel an Arbeiterwohnungen abzuhelfen. Die Frage wird besonders dringend angesichts einer neuen Erscheinung, die sich in letzter Zeit immer stärker bemerkbar macht. Es ist dies die immer zunehmende Einwanderung der yemenitischen Juden. Die jüdische Presse hatte schon öfters Gelegenheit, über diese unsere Stammesbrüder aus dem fernen südlichen Arabien zu berichten. Immer mehr bestätigt sich die sehr günstige Meinung, die man gleich von Anfang an in Palästina über sie gewonnen hat. Man ist sich darüber einig, daß wir es hier mit einem fleißigen und genügsamen Arbeiterelement zu tun haben, das im fernen Yemen die altjüdischen Tugenden einer hohen Religiosität und strenger Sittlichkeit rein und unverfälscht bewahrt hat. Die geringen Ansprüche, die die Yemeniten an das Leben stellen, versetzen sie in die Lage, mit Erfolg den Konkurrenzkampf auf dem Arbeltsmarkt aufzunehmen. Es ist ganz klar, daß sie für die jüdische Siedlung nicht nur in nationaler Beziehung das beste Arbeitermaterial bilden; sie sind auch wirtschaftlich ein äußerst wertvolles Element, da man sich auf ihre Ehrlichkeit und ihren Fleiß unbedingt verlassen kann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.