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Jüdische Turnzeitung · 1912-09-01 · 9/10 (9.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
9/10 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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No. 9-1Q 191 fahren, wobei ganz besonders darauf zu achten ist, daß durch die Nase und nicht durch den Mund geatmet werden soll. Bei allen Uebungen des Turnens, die nur kurze Zeit zur Ausübung bedürfen, wird der Atem unwillkürlich eingehalten, der Körper leistet seine Arbeit unter der sogenannten Pressung, das geschieht ganz automatisch und besonders und häufig zu lange bei Anfängern. Derjenige Turner, der zweckentsprechend atmet, ist am leistungsfähigsten. So wie Herz und Lungen, Muskeln und Knochen, so werden auch die übrigen inneren Organe durch Leibesübungen beeinflußt. Die Nieren» funktion wird erhöht infolge der größeren Durchblutung, die Verdauung gehoben durch Anwendung der Bauchpresse, indem durch Zwerchfell und Bauchmuskel die Bewegung der Därme beschleunigt wird. Jedoch ist es im höchsten Maße schädlich, mit gefüllter Blase oder gefülltem Magen zu turnen. So haben wir gesehen, daß Turnen und Sport, in mäßiger Weise betrieben, und gutes Training vorausgesetzt, auf den Organismus außerordentlich günstig einwirken. Ein nicht arbeitender Körper erleidet Schaden. Die Knochen werden brüchig, die Muskeln schlaffer und schwach, der Körper vorzeitig steif, es wird eine schlechte Körperhaltung erzeugt, die Lungen, das Herz werden schlaff und arbeiten schwach. Kraftübungen aber wirken schädlich auf das Nervensystem, die Zirkulation, die Atmung, den Stoffwechsel ein. Oeschicklichkeitsübungen fördern die Koordinationsfähigkeit des Qehirns und steigern in mäßigem Orade die Tätigkeit des Herzens, der Lungen, des Stoffwechsels. Dauerübungen, die nicht bis zur Erschlaffung getrieben werden, wirken durchaus günstig. Schnelligkeitsübungen mit Ruhepausen wirken am günstigsten, also die Bewegungsspiele. Von den Leibesübungen sind viele Kraftübungen, z. B. Gewichtheben, Steinstoßen, Hanteln, Fechten, Werfen von Stäben und Bällen, Freiübungen mit Belastung und viele Qerätübungen des Turnens. Laufen, Gehen, Marschieren sind Dauerübungen. Rudern, Schwimmen usw. sind entweder Dauer- oder Schnelligkeitsübungen. Die einzelnen Uebungen kräftigen nicht in gleicher Weise den ganzen Körper. Rudern kräftigt den ganzen Körper. Das Radeln vorzugsweise die Beinmuskulatur usw. Aus dem Gesagten ergibt sich für uns, daß der Betrieb des Turnens allein nicht zweckmäßig ist, das Ideale ist eine harmonische Kombination vom Turnen und Sport. In vorbildlicher Weise ist dieses verwirklicht im deutschen Armeeturnen, daß auch von den englischen Sachverständigen als das Beste aller bestehenden Leibesübungskombinationen bezeichnet wird. Das Turnen, wie ich es eben beschrieben habe, eignet sich aber nicht für alle Menschen. Wie wir gesehen haben, gehört zur Ausübung der Leibesübungen ein gesunder, kräftiger Körper, der die Grundlagen besitzt, durch Uebung sich ohne weiteres zu kräftigen. Besonders gehört dazu ein gesundes, normal gebautes Skelett, normal funktionierende Muskulatur, absolut gesundes Herz und eine kräftige Lunge im dehnungsfähigen Brustkasten.

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