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Jüdische Turnzeitung · 1912-09-01 · 9/10 (9.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
9/10 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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190 No. 9-10 anderen Fällen, wenn die übergroße Inanspruchnahme eine dauernde bleibt, entsteht eine Herzerweiterung und Herzvergrößerung. Diese letztere beruht einmal auf einer Zunahme der Wanddicke durch Neubildung von Muskulatur, andrerseits auf einer Zunahme des Herzhohlraumes. Das Herz hypertrophiert, d. h. es wird zu groß. Ein derartiger Zustand ist entschieden zu vermeiden, denn er führt zu einer allmählich sich steigernden Unfähigkeit des Herzens, das Blut durch den ganzen Körper zu pumpen, es entstehen Herzfehler. Bezeichnend ist es, daß bei den Olympischen Spielen 1906 die amerikanischen Kämpfer, die überall am leichtesten siegten, kleine Herzen hatten, woraus zu folgen ist, daß die Leistungsfähigkeit des Turners durchaus nicht abhängt vom Vorhandensein eines großen Herzens. Kleine, gut sich kontrahierende Herzen arbeiten besser, als große, sich schlecht zusammenziehende. Um leistungsfähige Herzen zu erzielen, muß das Training in der Jugend beginnen, und es ist deshalb mit großer Freude zu begrüßen, daß die Bewegungsspiele, die die größte Wirkung auf das Herz ausüben, in der Schule immer mehr in Aufnahme kommen. Werden dieselben mit den notwendigen Ruhepausen betrieben, so sind sie zweckmäßig und der Qesundheit förderlich. Und nun der Einfluß des Turnens auf die Atmung! Normal macht der Mensch 16—20 Atemzüge in der Minute. Durch das Atmen erfolgt der Qasaustausch zwischen Blut und äußerer Luft. Die Einatmung der Luft erfolgt durch die Tätigkeit der Brustmuskeln, durch welche die Rippen gehoben werden; die Ausatmung erfolgt automatisch. Die Atmung reguliert sich von selbst, jedoch kann dieselbe willkürlich vertieft und verflacht, beschleunigt und verlangsamt werden. Ohne jeden äußern Einfluß steht die Atmung nur des Nachts. Mancherlei Aeußerlichkeiten beeinflussen die Atmung. Schreck wirkt atemstockend, Erregung atembeschleunigend. Die Uebungen des Turnens und des Sportes wirken atembeschleunigend. Es sind nach sehr anstrengenden sportlichen Uebungen bis zu 140 Atemzüge in der Minute gezählt worden. Die Atmungsorgane arbeiten während des ganzen Lebens gleichmäßig und genügen den gestellten Anforderungen vollkommen. Während in der Ruhe aber nur ein kleiner Teil der Lungen arbeitet, die ganze obere Partie der Lungen untätig bleibt, wird bei der höheren Inanspruchnahme die Lunge voll entfaltet, aber auch das hat seine Orenzen, denn bei größeren Anstrengungen versagt die Atmung: z. B. strengt ein anhaltender Lauf dermaßen an, daß der Läufer eine Weile aufhören muß, um wieder Atem holen zu können, und das ist natürlich stets schädlich. Durch zweckentsprechende Uebungen aber wird der Thorax, der Brustkorb, beweglicher und die Atmungsorgane kräftiger, so daß sie allmählich immer größeren Anstrengungen gewachsen sein werden. Durch die größere Entfaltung der Lungen in der Arbeit erhöht sich der Blutgehalt in denselben in zweckentsprechender Weise. Bei übermäßigen Anstrengungen aber erfolgt eine Blutüberfüllung der Lungen,, und diese ist es, die die Atemnot herbeiführt. Wieder sind es die Bewegungsspiele, die die Atmungsorgane am meisten kräftigen und üben. Da der Spielende, wenn er sich angestrengt fühlt, ganz von selbst die Uebungen einschränkt, ihr Tempo verringert, wirken dieselben günstig. Oünstig wirkt, mäßig getrieben, das Rudern, Rad-

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