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Jüdische Turnzeitung · 1912-09-01 · 9/10 (9.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
9/10 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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No. 9-10 189 ziehende Knorpel, sind die Gelenkbänder weich und elastisch. Im Alter werden sie härter und starrer. Durch die Gymnastik wird der Bandapparat weich und schmiegsam erhalten. Das wird durch die Tatsache erwiesen, daß, wenn in frühester Jugend mit dem Training begonnen wird, die Gelenke, auch die straffen, eine ganz kolossale Bewegungsfreiheit erhalten, und so werden diejenigen Künstler herangebildet, die wir Schlangenmenschen oder Kontorsionisten nennen. Die Untersuchung der Gelenke derartiger Menschen ergibt Gelenkflächen, die sich in nichts von denen anderer unterscheiden, nur der Bandapparat ist dehnungsfähiger und elastischer als normal. Die Knochen selbst werden durch die Muskelübungen stärker, dicker, kompakter, besonders lange Arm- und Beinknochen. Die Leisten, an denen sich die Muskeln ansetzen, springen kräftiger hervor bei Menschen, die viele körperliche Arbeit zu bewältigen haben, die Wirbelsäule wird stärker aufrecht erhalten und neigt weniger zu Verkrümmungen. Am günstigsten wirken Kunstturnen und Sport auf das Skelett des Brustkorbes ein. Bei Ausübung gymnastischer Uebungen wird der Thorax durch die Tätigkeit der Muskeln erweitert. Durch Hebung der Rippen nimmt die Höhe des Brustraums zu. Durch lungere Zeit systematisch betriebene Gymnastik wird der Thorax breiter; cs ist festgestellt, daß der Brustumfang bei Soldaten während der Ausbildungszeit bis zu 5 cm zunimmt. Das Turnen hat einen besonders großen Einfluß auf den Stoffwechsel. Da schon der ruhende Muskel einen sehr großen Stoffwechsel hat, so muß »■ich derselbe bei der Arbeit noch ganz wesentlich steigern, weil der arbeitende Muskel viel kräftiger vom Blut durchströmt wird als der ruhende. Da alle Leibesübungen eine große Anzahl von Muskeln in Bewegung setzen, so müssen, um die notwendige Durchblutung bewirken zu können, Herz und Lungen kräftiger arbeiten, wenn die notwendige größere Sauerstoffmenge aus der Luft aufgenommen und die größere gebildete Kohlensäuremenge ausgeschieden werden soll. Je ausgiebiger die Muskeltätigkeit, um so größer auch der Stoffwechsel der inneren Organe. Eng damit zusammen hängt der Einfluß der Gymnastik auf die Herztätigkeit, d. h. auf die Blutzirkulation. Das Herz, das ein kräftiger Hohlnuskel ist, wird durch die Uebungen zu häufigeren und ausgiebigeren Kontraktionen angeregt, die sich an der Pulsfrequenz zeigen. Diese erhöhte Pulsfrequenz kann bei angestrengten Uebungen stundenlang bestehen bleiben, z. B. bei Rennfahrern. Das Herz wird durch ein mäßiges Training und eine mäßig erhöhte Inanspruchnahme kräftiger, dickwandiger, weil seine Muskelmasse zunimmt. Dahingegen leidet das Herz bei Leuten, die in ihrem Berufe keine Gelegenheit haben, den Körper durch Turnen zu stählen, Schaden. Die Muskulatur wird dadurch, daß das Hrz, mangels jeden Reizes lässiger arbeitet, schlaffer "nd atrophisch. Müssen Menschen anstrengend arbeiten, so versagt das Herz leicht seinen Dienst, sie bekommen Herzklopfen. Um das Herz zu stählen, muß ein Training erfolgen, leichte Uebungen, ohne große Anstrengungen, sind dem Herzen und seiner Entwicklung zuträglich. Schwere mit Anstrengung verbundene Uebungen wie das Ringen sind von ungünstigem Einfluß. Aber selbst bei dem besttrainierten Herzen tritt allmählich bei allzugroßer Inanspruchnahme der Zeitpunkt ein, in dem es ermüdet. Im äußersten Falle kommt es zu einer totalen Erschöpfung, in

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