Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 9/10 (9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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186 No. 9-10 wer ständig im Unwirklichen lebt, wer sich die heimatliche Erde erst erträumen muß, dem schwindet nur zu oft der Boden unter den Füßen. Auch das ist eine wehe Notwendigkeit, die dem aufgezwungen wird, dem der Kern seines Wesens das Judentum bedeutet. Wer diese schmerzliche Wahrheit erleben will, wer aber auch ihre leisen, reinigenden Freuden empfangen will, der versenke sich in Zlozistis Qedidhte. Sie sind nicht aufzunehmen wie ein Bild, eine Landschaft, ein musikalischer Rhythmus, man muß ihnen nachsinnen. Darm wird man auch zu jener reinen Hingabe kommen, die bei Zlozisti in den schlichten Worten seiner „Mahd" einen tiefen Ausdruck findet: Wir schreiten auf dem Lebensfeld Als wie ein blinder Säersmann, Wir sehen nicht, ob unsre Saat Auf gute Schollen niederrann. Und wissen nicht, ob einst der Kern, Den wir gesät, uns Blüte beut; Und ob die Blüte, die erwuchs, Aus Samen stieg, die wir gestreut. Nur dies: es kommt der Schnitter einst, Fragt nicht, ob du, ob ich gesät; Ob du, ob ich der Ernte Herr, Er kommt, und seine Sichel mäht. Kunstturnen und Heilgymnastik. Von Dr. Arthur H i 11 e r, Königsberg i. Pr. Alt wie das Menschengeschlecht ist sein Bedürfnis nach körperlicher Uebung. Und so sehen wir, daß bei den ältesten Naturvölkern stets derjenige am geachtetsten war, der vor den übrigen in hoher Ausbildung der körperlichen Kräfte und Fähigkeiten sich auszeichnete. Die ältesten Völker, Chinesen, Japaner und die unkultivierten Oermanen ehrten den Krieger am meisten, d. h. den Mann, der seinen Körper durch Waffenübungen und Kämpfe kräftigte. Die Kulturvölker haben aus diesem rohen Stoff der ursprünglich rein kriegerischen Leibesübungen ein wohl ausgebildetes System gemacht. Und wir wissen, daß im alten Griechenland die Leibesübungen in höchster Blüte standen. Der Staat der Athener, der Spartaner sorgte dafür, daß die Jugend ihren Körper stählte. War es bei den Athenern mehr der Qedanke der Körperkultur, so lief bei den Spartanern alles auf die Vorbereitung zum Kriege hinaus. Die Arten der griechischen Leibesübungen waren folgende: Wettlaufen, Ringen, Faustkampf, Dauerlauf, Doppellauf und Wagenrennen. Ich brauche nur zu erinnern an die Olympischen Spiele, welche jedes vierte Jahr im Juli gefeiert wurden, und in denen Sieger gewesen zu sein, höher galt, als den größten Kriegsruhm errungen zu haben. Oötterfeste waren es, die in Olympia gefeiert wurden, und für so entscheidend wurde ihre Bedeutung gehalten, daß man nach Olympiaden die Zeitrechnung einteilte.