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Jüdische Turnzeitung · 1912-09-01 · 9/10 (9.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
9/10 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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182 No, 9-10 Kein Wunder also, daß in vielen jüdischen Turnvereinen von einer Iwmogenen, bewüßt-jüdischnationalen Gesinnung und Betätigung nicht die Rede sein kann. Man kommt zwar in turnerischer Beziehung vorwärts, in nationaler Hinsicht wird aber oft ein dolce far niente-Leben gefristet Diesem Mißstand ist auch in erster Linie zuzuschreiben, daß manche Vereinsvorstände in ihrer Arbeit durch die Interesselosigkeit und nationale Indolenz ihrer Mitglieder beeinflußt, ihr lokales Sonderinteresse verfolgen und mit der Zeit fast vollständig den Kontakt mit der Gesamtbewegung verlieren. Die weitere Folge davon ist, daß unsere ganze Organisation ein loses Geiiige. darstellt, in dem die einzelnen Vereine getrennt marschieren und getrennt schlagen. Da nun die am letzten Turntag beschlossene Kreiseinteilung diesbezüglich Abhilfe zu schaffen verspricht, so scheint "mir dieser oben erwähnte Notstand ein kleineres Uebel im Vergleich mit dem, daß viele Glieder unserer Bewegung in prinzipiellen Angelegenheiten der Jüdischen Turnerschaft sich von einer Goluslogik leiten lassen und daß sie sich bis nun über die Marschroute, die wir zu wählen haben, nicht ganz im Klaren sind. Als ein krasses Beispiel einer unglückseligen Verschwommenheit der Grundbegriffe und einer vollständig falschen Auffassung der Ziele unserer Bewegung möge hier ein Antrag angeführt werden, der am letzten Turntag von einem älteren, um unsere Sache verdienstvollen Delegierten eingebracht wurde. In diesem Antrage wurde verlangt, daß wir statt „Jüdische Turnerschaft" einfach „Verein zur Pflege der jüdischen Volkshygiene" heißen sollten. Würde unsere Organisation einen Namen wie „Barkochba" oder „Makkabi" führen, so müßte der Antragsteller selbst, ,aus der Zusammenstellung der Worte, das Widernatürliche seines Antrages herausfinden. Da wir aber leider „namenlos" sind, so konnte der Antrag erst nach einer heißen und zeitraubenden Diskussion mit einer Stimmenmehrheit von 7 Stimmen zu Falle gebracht werden. Die Begriffsverwirrung, die dabei zum Vorschein kam, machte direkt einen peinlichen Eindruck auf diejenigen, die mit Recht erwarteten, daß nach einer zehnjährigen Arbeit wenigstens unsere Führer eine klare und bewußte Auffassung von den Hauptaufgaben unserer Organisation bekunden werden. Man glaube ja nicht, daß ich etwa gegen die Verbreitung der Volkshygiene durch die jüdischen Turnvereine unter den Juden wäre. Im Gegenteil. Ich betrachte es als unsere Pflicht, in dieser Hinsicht aufklärend zu wirken, soweit dies von anderer Seite nicht geschieht. Ich muß es aber als ein totales Verkennen der ganzen turnerischen Bewegung bezeichnen, wenn man die Volkshygiene zum Hauptzweck unserer Existenz machen will. Denn was bezweckt ein jüdischer Turnverein? Die physische Regeneration des jüdischen Volkes. Dies wäre aber für einen nationalen Turnverein viel zu wenig. Denn dies könnte ja ein beliebiger Verein erreichen, sogar ein jüdischer Volkshygieneverein, der die Juden über die Notwendigkeit physischer Betätigung aufklären würde. Wir jüdischen Turner wollen aber mehr! Unser Streben geht dahin, daß die Juden nicht nur zu harmonisch entwickelten Muskelmenschen, sondern vielmehr, daß sie aus zaghaften, willenlosen Individualisten zu einer starken, willenfesten, ihrer Kraft und ihrer Zukimft sich bewußten Gemeinschaft umgebildet werden. Statt vieler divergierender Kräfte eine Resultante. Denn nicht die physische

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