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Jüdische Turnzeitung · 1912-09-01 · 9/10 (9.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
9/10 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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ISO No. 9-10 Randglossen zum V. Jüdischen Turntag;. Von B. Mann- Krakau. Als ain letzten Turntag seitens des J.T.V. Krakau der Antrag gestellt wurde, man möge mit dem neuen Organisationsstatut auch einen gemeinsamen, die ganze Jüdische Turnerschaft umfassenden Namen einführen, da legte die Statutenkommission, die die vorliegenden Entwürfe und Anträge zu prüfen hatte, diesem Antrage kein Gewicht bei. Sie war der Meinung, es handle sich hier bloß um eine Formalität, die nicht hinreichend begründet wäre, da der problematische Nutzen eines solchen Beschlusses für unsere Organisation in gar keinem Verhältnis zu den Schwierigkeiten der Durchführung desselben stehen würde*). Nichtsdestoweniger scheint mir die Sache einer eingehenden Diskussion würdig, umsomehr, da die Antragsteller, sich der Tragweite ihres Antrages bewußt, beim nächsten Turntag denselben Antrag einzubringen gedenken. — Die Idee nämlich, die die jüdischen Turnvereine aller Länder verbindet, besitzt ein Exekutivorgan, das sie nach außen vertritt, das ist der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft, — und ein gemeinsames Informationsorgan, das die unsere Idee befruchtenden Oedanken zum Ausdruck bringt, das ist die Jüdische Turnzeitung. Dies sind aber auch die einzigen sichtbaren Zei-lien einer Ideengemeinschaft, die einzigen bestehenden Mittel, deren sich unsere Idee bedient, um nach außen ein Zeugnis von dem gemeinschaftlichen Streben nach der physischen Regeneration des jüdischen Volkes abzulegen. In Wirklichkeit aber entspricht sowohl der Ausschuß wie die Turnzeitung nur inhaltlich der an sie gestellten Forderung und ist, von außen betrachtet, noch immer nicht der vollkommene Ausdruck, das allumfassende Symbol einer einheitlichen Ideenwelt. Dem Außenstehenden, der nach genieinsamen die jüdischen Turnvereine einzelner Länder verbindenden Momenten sucht, fällt es in erster Linie auf, daß sowohl der Ausschuß wie auch die Turnzeitung sich sprachlich von diesen Vereinen unterscheiden, die sie vertreten, oder deren Sprachorgan sie sein sollen. Ein galizischer Turnverein .hat seine Zentrale in Berlin, und seine polnisch sprechenden Mitglieder lesen ihre deutschredigierte Turnzeitung. Diese Erscheinung könnte mau ja schließlich demjenigen, der in die Verhältnisse der Diaspora nicht eingeweiht wäre, als eine der vielen paradoxen Begleiterscheinungen des jüdischen Nationalismus in seiner Keimperiode erklären. Er würde es aber absolut unbegreiflich finden, daß diese in den einzelnen Ländern der Diaspora zerstreuten Vereine, die Glieder einer und derselben Organisation, bis nun jede Gelegenheit unbenutzt ließen, um durch einen gemeinsamen Namen ihre Ideen- und Interessengemeinschaft nach außen tu demonstrieren. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, daß ein gemeinsamer Name einerseits auf die Außenstehenden, anderseits auch auf viele in unseren Reihen aufklärend und erzieherisch einwirken könnte und müßte. Die *) Diese Darstellung des Verfassers entspricht nicht ganz den Tatsachen. Der betreffende Antrag wurde seiner Zeit nach eingehender Diskussion im Plenum des Turntages den Kreisvorständen zur Entscheidung überwiesen (vgl. Jüd. Turnztg. No.6 S.121). D. Red. * 1 ■ *

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