Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 9/10 (9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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176 No. 9-10 jüdische Jugend von Ost und West vereinigt auf dem Boden der Väter, möge dieser Tag der Beginn sein einer neuen Epoche für die Jugend unseres Volkes! Ernst Herrmann-Jaffa. Ein Briefwechsel. i. An den Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft, Berlin. Famos, eine Palüstiitaturnfahrt! Das ist eine Tatt Aber oh Schreck, nur ihr Turnbrüder wollt ins gelobte Land, wollt uns Mädels und Frauen nicht mitnehmen? Wo bleibt da die Kameradschaft? Wohlan, verfaßt einen neuen Aufruf, der auch die Turnschwestern auffordert zu froher, heiliger Wanderfahrt. Ihr braucht nicht bange zu sein, die Zimperliesen bleiben schon zu Hause, wenn sie etwas „von Rucksack und Wanderstab" hören. Mit jüdischem TurnergruB Clara Dünn, Hamburg. II. An Fräulein Clara Dünn. Hamburg. Sehr geehrte Turnschwester! Mit einem lachenden und einem tränenden Auge muß ich Ihren Briet beantworten. Ihre Zeilen bereiteten mir zunächst eine herzliche Freude. Sie waren mir wiederum ein Beweis, daß wir jüdischen Turner und Turnerinnen nicht äußerlich Qliedcr derselben Organisation sind, sondern daß uns die Liebe zu unserem Volke und den ihm geweihten Idealen innerlich fest und aufrichtig eint, daß die Bezeichnung „Turnbrüder und Turnschwestern" uns mehr als Formeln bedeuten. In dieser Hinsicht gilt mir Ihr Brief als eine spontane, persönliche Aeußerung tausendmal mehr als Jede vorbereitete Massenkundgebung. Als ich den Aufruf zur Palästinaturnfahrt ergehen ließ, da war ich überzeugt, daß er freudigen Widerhall finden würde bei unseren Turnern, eben weil sie eine Tat bedeutet. Und zahlreiche Zustimmungen haben meinen Optimismus gerechtfertigt. Sie, geehrte Turnschwester, haben mich beschämt. Ich gestehe es hier offen: so hoch ich stets den Idealismus unserer Turnerinnen einschätzte, ich habe ihn dennoch unterschätzt. Verstehen Sie mich richtig, das ist kein Tadel, sondern ein Kompliment 1 (Natürlich ein ungewolltes.) Um so größer und herzlicher war daher meine freudige Ueberraschung, als Sie und noch einige Damen sich zur Teilnahme an unserer Palästinafahrt meldeten. Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Entschluß, ich gratuliere den jüdischen Turnern zu solchen Turnschwestern! — Oroß und herzlich ist aber auch mein Bedauern, daß ich heute Ihnen, geehrte Turnschwester, eine große Freude vereiteln muß. Um es nach Turnerart offen zu sagen: Whmüssen dieses Mal auf die Teilnahme der Damen verzichten. Der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft sah sich nach reiflicher Erwägung zu diesem schweren Entschluß gezwungen. Und nach ruhiger Ueberlegung (wenn Ihr begreiflicher Zorn verflogen ist), werden auch Sie uns recht geben. Diese unsere erste Palästinafahrt stellt einen kühnen Versuch dar. dem sich durch die immerhin noch primitiven Verkehrsver-