Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1912-07-01 · 7/8 (7.1912) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
7/8 (7.1912)
Date
1912-07-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4921092-5965022-5965345--3361-4922118
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 7-8 153 Eltern auf die Vorteile des Turnens und des Sportes aufmerksam zu machen. In dieser Hinsicht wird leider viel gesündigt. Statt den Jungen hinauszujagen in die frische, freie Natur zum Springen und Spielen, fesselt man ihn ans Haus, an ein langweiliges Buch und läßt ihn sitzen und träumen. Wäre dies anders, würde das Jüdische Kind von Jugend auf erzogen werden im Geiste moderner Pädagogen und nicht veralteter Scholastiker, wahrlich dann brauchte man den Hochschüler nicht erst aufmerksam zu machen auf die Vorteile des Sportes und des Turnens. Der jüdische Student und Sportsmann ist aber auch zugänglicher modernen Reformbewegungen, die sich Volkshygiene zum Ziele setzen. Er wird am eigenen Leibe nur zu oft den Nachteil des Alkohols spürenl So ist nicht zu verwundern, wenn Turnen und Abstinenz sich die Hände reichen. Sicherlich bin ich weit entfernt, Muckertum zu propagieren. Es scheint mir nur, daß Abstinenz Volkswohl bedeute. Und das wäre ein schlechter Sohn seines Volkes, der dies nicht bedächte. Der jüdische Student als Turner sei nicht nur Träger der Intelligenz, er sei auch Träger der Demokratie. Solar;;: in unseren Reihen nicht heißt: am Turnboden sind alle Turner gleich, kann an eine Renaissance des Volkes nicht gedacht werden. Die Turnerei sei nicht nur völkische Bewegung, sie sei auch Volksbewegung. Jeder Jude, ganz gleich, woher er sei, was er sei, muß Turner werden. Soziale Differenzierungen, wirtschaftliche Unterschiede müssen aufhören, wenn ein Jude zum Turnbruder wurde. Der Jüdische Akademiker muß als Turner es als seine Ehrenpflicht ansehen, all jene Vorurteile zu bekämpfen, die Standesunterschiede auf dem Turnboden «wahrt wissen wollen. Nur wenn demokratischer Qeist einzieht in die Turnhallen jüdischer Vereine, wird die Turnerei zu einer Volkssache, an der sich alles betätigt. Der tschechische „Sokol" umfaßt alles. Arm und reich, hoch und niedrig, gebildet und ungebildet. Die Falkenfeder auf der Kappe, das rote Hemd an der Brust vereinigen alle: „Gleiche Kappen, gleiche Brüder". So muß es auch bei uns werden. Es ist nicht zu vergessen, daß auch die ethische Seite des Judentums erhöht werden soll; um so leichter kann dies geschehen, fühlt sich der Jude dem andern gleich. Daß wir trotz geistiger und körperlicher Ausbildung das Judentum nicht höher entwickeln können, ohne die Ethisierung der Massen, Ist ein Moment, das so oft außer acht gelassen wird. Wer taugt zu dieser Erziehung besser, denn der turnende Akademiker, der in jeder Beziehung Muster seines Volkes sein so». Sollte es geltagen, solche harmonische Synthese der geistigen, körperlichen und ethischen Ausbildung nur annähernd zu erreichen, dann kann der Jüdische Student mit Stolz sagen, er hätte seine Pflicht getan. Dann mag Herzls Mahnwort erschallen: Venit res ad trlarlos. Der jüdische Trlarler, er wird hören und handeln. Der zionistische Parteitag Deutschlands und die Turnbewegung. In den Pfingsttagen dieses Jahres fand In Posen der XIII. Delegiertentag der zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. Die gut besuchte Tagung bot mit ihren inhaltsreichen Referaten und ihren durch Sachlichkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.