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Jüdische Turnzeitung · 1912-07-01 · 7/8 (7.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
7/8 (7.1912)
Date
1912-07-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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152 No. 7-8 seinen Widersachern die Fabel von der eigenen Feigheit und der seines Volkes widerlegen. Doch scheint es uns, daß damit nicht genug getan wurde. Die körperliche Ausbildung des farbentragenden Studenten erweist sich beim schärferen Hinsehen als ungenügend. Es ist bloß die Stärkung gewisser Körperteile, ohne Vorteil für das Ganze. Nur Hand- und Fußgelenke — um nicht ins Detail eingehen zu müssen — werden gestählt. Nimmt man jedoch hinzu, daß bei manchem wehrhaften Studenten das Pauken und Schlagen im engen Zusammenhang steht mit Alkohol, so wird jede körperliche Ausbildung illusorisch. Das Pauken einer ganzen Woche kann den Schaden nicht wettmachen, den ein Alkoholexzeß dem ganzen Organismus zufügt, vollends abgesehen von dem Fall, wo dem Exzeß in baccho noch ein Exzeß in venere folgt. So gibt man sich der angenehmen Täuschung hin, durch das Schlagen dem Körper gerecht geworden zu sein, schwächt ihn andererseits und macht den Organismus widerstandsunfähiger. Qanz anders verhält es sich beim systematischen Turnen und beim Sport. Nicht eine Partie des Organismus wird verkürzt. Ein geschickter Turner weiß alle Muskeln harmonisch auszubilden. Kein Ueberwiegen des einen Teiles zum Nachteil für den zweiten. Und wer hätte dies nötiger, denn der jüdische Student! Seine ganze Lebensweise ist unhygienisch. Ich will von jenen nicht sprechen, die infolge wirtschaftlicher Lage auf schlechte Wohnungsverhältnisse angewiesen sind und auf mangelhafte Befriedigung ihrer natürlichsten Bedürfnisse. Nein, auch der materiell besser gestellte Student lebt unhygienisch. Fast den größten Teil des Tages atmet er Zimmeratmosphäre, sei es in der eigenen Wohnung, sei es im Hörsaal, im Cafe oder Wirtshause. Er wird dadurch schlaffer, schwächer, sein Qang ist unrhythmisch, schleppend, seine Haltung ungrad und salopp. Anders der turnende Student. Seine Brust wölbt sich, seine Stirn ist freier, sein Auge frischer, Qang und Haltung straffer, strammer. Verbindet er vollends mit dem Turnen auch den Sport, genießt somit freie Luft, Sonnenwärme, so wird er auch gegen klimatische Veränderungen widerstandsfähiger. Es wäre daher anzuraten, statt des Schlagens mehr Turnen und Sport. Auch der Turner hat Mannesmut. Auch der Turner ist wehrhaft und zeigt trutzig jedem Gegner die Stirn. Gebt dem Turner den Schläger in die Faust, er wird ihn auch zu führen wissen. Es wird ihm nicht schwer, die Quart zu schlagen und die Terz zu rollen. Der jüdische Student als der Träger der Intelligenz ist nicht ganz, ist er nicht bedacht auch auf seine körperliche Durchbildung. Wir fordern harmonisch durchgebildete Persönlichkeiten im eignen und im Volksinteresse. Im Zeitalter der Rassenhygiene und der Eugenik darf man den Körper nicht verkürzen zugunsten des Oeistes. Harmonische Ausbildung beider sei unser Ideal. Das unverhältnismäßige Ueberwiegen des einen vor dem andern ist abnorm, ungesund, unschön. Nur allzuviel wird debattiert, referiert, aber allzuwenig geturnt und gespielt. Leider schon in der Mittelschule. Moderne Pädagogen wie Gurlitt, Pudor, Scharelmann, Wolgast scheuen sich nicht urbi et orbi zu verkünden, wie stark der Körper vernachlässigt wird schon in der Volks- und Mittelschule. Auch hier sollten wir auf Ausbildung bedacht sein. Kein jüdischer Arzt darf ein jüdisches Kind vom Turnunterricht befreien, noch weniger von den Jugendspielen, deren Bedeutung gerade in jüdischen Häusern leider sehr unterschätzt wird. Es wäre Ehrenpflicht jüdischer Aerzte, Lehrer und Erzieher, jüdische

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