Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 7/8 (7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7-8 wachsenden Qeschlecht von der frühesten Jugend an Liebe zur Ordnung, Reinlichkeit und Ehre einzuflößen, so daß es, indem es sich selbst respektiert, seiner Gemeinschaft Ehre bringt.) Wenn auch die Jewish Lads' Brigade nicht auf dem Boden des Nationalismus steht, so verdient sie doch unsere Sympathie; denn hier wird jüdische Arbeit geleistet, eine segensreiche und — unbewußt — in gewissem Sinne echt nationale. Würde allerorten mit solchem Ernst, mit solcher Sicherheit gearbeitet, es könnte manches im Judentum besser werden. Die Turnbewegung und der jüdische Student. Von Qustav Kohn-Wien. Orandum est, ut tit mens iim in corpore nno. Seitdem Juda das blinkende Schwert aus der Faust legte, hörte es auch auf, Qewicht zu legen auf körperliche Ausbildung. Wozu auch? Spitzfindigkeit und Geistesschärfe leisteten ihm bessere Dienste bei seiner wirtschaftlichen Lage denn Körperkraft und Mannesschönheit. Seine Arbeiten waren niemals gestützt auf körperliche Kraft, sehen wir von Jenen Wenigen ab, die früher und auch heute noch schwere Körperarbeiten leisteten und leisten. Auch das Mannesideal des Juden erfuhr Variationen. Die Bibel rühmt zwar noch die Mannesschönheit eines Simson, Saul, Adonia, hebt Gestalten eines Juda Makkabi hervor; die Geschichte nennt noch einen Johannes Qiskala, Simon bargiora und Bär-Kochba; — dann aber verschwindet dieses Ideal. Es mag auch dazu beitragen, die Psychologie unseres Volkes zu begreifen, befaßt man sich mit seinen Idealen. Unsere Geschichtsschreiber, so gut sie das äußere Judentum und seine Oeistesrichtungen erkannten, verkannten stets die seelische Lage unseres Volkes. Eine psychologische Erfassung, ein Durchdringen des Innenlebens der Juden fehlt noch immer; muß fehlen, weil man derzeit noch immer in Jungjüdischen Kreisen befangen ist von Rassentheorie und Rassenmystizismus. Weil man noch stets, statt psychologisch zu ergründen und begründen, rassentheoretisch erklärt und kommentiert. So kommt es, daß man durch falsche Schlüsse dazu gelangt, all da» als Rassenmerkmal der Juden hinzustellen, was sich einer psychologischen Betrachtungswelse als selbstverständlich erweist. Infolgedessen kann der spirituaie und rein rationale Mann als Jüdisches Mannesideal nicht als ein Rassenmerkmal bezeichnet werden, sondern als die Summation psychischer Beschaffenheit, Erziehung und Anschauung. Der Zionismus, als das Rinascimento des Jüdischen Volkes aufgefaßt, mu£ zweckmäßig, soll er nicht Halbheit bleiben, auch sein Hauptaugenmerk auf die körperliche Ausbildung des Judentums lenken. Durch Jahrhunderte ist unser Qeist geschult worden in talmudischer Spitzfindigkeit und scharfsinnigem Erklären der heiligen Bücher. Der Körper aber wurde vernachlässigt. Wird es noch Iteute zum Großteile. Mannesmut und Mannesschönheit sind nicht zu erreichen ohne Stählung des Körpers, ohne Stärkung der Muskeln. Dies sah der Jüdische Student in dem Momente ein, als es hieß: wehrhafter Student zu werden. Mit dem Schläger in der derben Faust wollte er