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Jüdische Turnzeitung · 1912-07-01 · 7/8 (7.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
7/8 (7.1912)
Date
1912-07-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 7t8 149 Unsere Tätigkeit in religiöser Hinsieht auf kurze Andachten morgens und abends. Jede unserer Kompagnien hat ihren „Chaplain", der bei besonderen Gelegenheiten in Funktion tritt. Sonst haben wir zuweilen noch Synagogen- Paraden, die bei größeren Anlässen in den Synagogen gestellt werden. Die religiöse Erziehung Uberlassen wir der Synagoge und dem Elternhause." Wie ich hörte, beschränkt sich hierauf die ganze jüdische Tätigkeit der Brigade. Weder hier noch in den jüdischen Boys Clubs, von denen ich in einem nächsten Briefe berichten werde, ist etwas von „jüdischer" Erziehung zu merken oder auch nur von einer Anknüpfung an die Vergangenheit unseres Volkes. Diese Jugend wüßte kaum, daß sie in einer jüdischen Organisation ist, wenn nicht der Name jüdisch wäre. Gegenwärtiger Brigade-Kommandant ist Colonel Sir Frederic L. Nathan. Ein großer Stab von Beamten überwacht sorgfältig die Brigade, und Headquarters Staff, Headquarters Committer und Brigade Council haben die Leitung. Dem Brigade Council gehören u. a. an: Sir Rufus Isaacs, der General- Staatsanwalt, erst kürzlich vom König ins Ministerium berufen, Mr. Gustave Tuck, Chef der bekannten Chromofirma und andere prominente Persönlichkeiten, die aber wohl nur den Namen hergeben. Eine große Zahl von Legaten, jährlichen und einmaligen Beiträgen bewirkt, daß das Jahresbudget eine Höhe von £ 2000 erreicht. Von den Ausgaben der Brigade sind folgende Posten erwähnenswert, um einen kleinen Begriff von der Ausdehnung der Geschäfte zu geben: Hallenmieten, Gehälter und Equipierungen zirka £ 500, Office £ 340, Gewehr- und Schießübungen £ 70, Camp £ 800 etc. Die Beihilfen seitens der Lads selbst sind sehr gering, da es sich ja hauptsächlich um ganz arme Burschen handelt; teilweise zahlen sie nichts. 1 Penny pro Woche ist ihr Durchschnittsbeitrag. Neben den soldatischen Uebungen, die in der Jewish Lads' Brigade gepflegt werden und auf dl« Ich später zurückkomme, ist die Leitung bedacht, auch sonst für die Jugend zu sorgen. So hat sie z- B. bei der im Juli d. J. in Kraft tretenden Nationalversicherung, bei der ieder Angestellte zwangsweise einer privaten Versicherungsgesellschaft beitritt, besondere Abkommen mit einer Manchester Gesellschaft getroffen, die nunmehr eine besondere Abteilung für die Mitglieder der Brigade geschaffen hat. Die Jewish Lads' Brigade besteht aus zwei Regimentern, dem Londoner und dem Provinz-Regiment. Das Londoner Regiment hat vierzehn Kompagnien und ein Musikkorps, die hauptsächlich im Eastend ihre Uebungsstatten haben, Das Provinz-Regiment hat Kompagnien in Manchester, Liverpool, Birmingham, Dublin und Glasgow. Ein Colonel an der Spitze jeden Regiments, ein Captain bei jeder Kompagnie und eine ganze Anzahl von Leutnants, Adjutanten etc. bilden die Leitung. Die unteren Charten, Sergeanten etc., werden von älteren Lads bekleidet, die bei cuter Führung befördert werden. Im allgemeinen werden nur junge Leute von 14 bi» 18 Jahren aufgenommen. Sämtlich« Mitglieder haben einheitliche Tracht, die Offiziere und Unteroffiziere alle möglichen Abzeichen, kurzweg, die Einrichtung der Brigade ist ganz tisch militärischem Muster vorgenommen worden und" entspricht dem englischen Geschmack. Es ist nämHch bei der persönlichen Freiheitsliebe des Engländers und seiner Abneigung gegen die allgemeine Wehrpflicht merkwürdig, wie bei allen Jugendorganisationen die Gradeinteilung der Mannschaften, die Betonung militärischer Gepflogenheiten.

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