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Jüdische Turnzeitung · 1912-07-01 · 7/8 (7.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
7/8 (7.1912)
Date
1912-07-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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148 No. 7-8 Neues von der Jewish Lads' Brigade. Von Alfred Burin -London. Ein alter Turner sucht, wohin er auch kommen mag, gern Verbindung mit turnerischen oder ähnlichen Organisationen. So ging es auch mir. Von einer jüdischen Jugendbewegung in England, deren Aufgabe die Körperpflege ist, haben wir zwar in den Spalten der „Jüdischen Turnzeitung" nicht allzu viel gehört, immerhin soviel, um zu wissen, daß es überhaupt etwas derartiges gibt. Ich wandte mich daher an die „Jewish Lads' Brigade" und begab mich eines Tages in das „Meadquarter" 20 Bucklesbury, London EC, das mitten in der City gelegene Office. Ich fand eine Organisation vor, welche die größte Beachtung Aller verdient, die in der jüdischen Jugendbewegung stehen. Der Chief Staff Officer, Mr. Ernest M. Hallenstein, empfing mich. Er kannte unsere „Jüdische Turnerschaft" sehr gut und erklärte sich gern bereit, mir die Grundzüge der Jewish Lads-Bewegung auseinanderzusetzen und mich durch die verschiedenen Uebungsstätten in London geleiten zu lassen. Eigenartig waren die Ursachen, die zur Gründung dieser Organisation führten. In Schottland war es, wo die Geistlichkeit vor zirka 20 Jahren den Grundstein für die wohlbekannte Scoutsbewegung legte, einesteils, um der Jugend, die nicht, wie in anderen Ländern durch die allgemeine Wehrpflicht gebunden ist, Stätten der körperlichen Ausbildung zu schaffen und zum Wohle des Staates eine kräftige Jugend zu erziehen, andererseits aber — und das war wohl der Hauptgrund —, um der Kirche eine „guard of honour" zu geben. Auf diese Bewegung wurde der bekannte Oberst Qoldsmid aufmerksam. Er erkannte sofort den Wert einer derart straffen Organisation für die jüdische Jugend, die verwahrlost in den Ghettis der großen englischen Städte, insbesondere dem Londoner Eastend, einer allmählichen körperlichen Degeneration verfiel. Er gründete die Jewish Lads' Brigade, wohlgemerkt nur für die armen Juden. Jedes Nationalbewußtsein lag ihm fern, nicht den Wohlhabenden des Westends, die vermöge ihres Besitzes in einem der vielen Sportklubs Betätigung finden können, sondern den Armen des Eastends wollte er helfen, jenen, die aus der russischen Hölle entwichen sind und hier in den Brutstätten der Schwindsucht hausen. Es war somit eine rein philantropische Tat, für die Oberst Qoldsmid den Dank der Juden verdient, und die reichen englischen Juden öffneten ihre Börsen, nicht nur aus der bekannten jüdischen Wohltätigkeit, sondern auch, weil hier in England das Aufbringen freiwilliger Spenden weit mehr an der Tagesordnung ist, als auf dem Kontinent. Die Jewish Lads' Brigade von heute steht also auf einem anderen Boden, wie die Jüdische Turnerschaft, die ihren Anhängern eine nationale Stätte der Körperkultur bietet und sich selbst verwaltet. Auf meine Präge, wie die J. L. B. zum Zionismus stehe, entgegnete Mr. Hallenstein: „Gar nicht. Der Zionismus ist hier, namentlich bei den Wohlhabenden, von denen wir abhängig sind, nicht sehr angesehen. Wir bringen derartige Fragen überhaupt nicht zur Sprache, da sie nicht in unser Programm gehören. Unsere Aufgabe ist lediglich, diesen Jungen körperlichen Drill beizubringen, zu ihrem eigenen Wohle und um aus ihnen brauchbare Mitglieder des englischen Staates zu machen. Wir bringen auch religiöse Fragen nicht in unsere Bewegung. Am Freitag Abend und an Feiertagen finden keinerlei Uebungen statt, und beziehen wir Im Sommer auf dem Lande unser „Camp", so beschränkt sich

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