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Jüdische Turnzeitung · 1912-07-01 · 7/8 (7.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
7/8 (7.1912)
Date
1912-07-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 7-8 147 Zeit verloren gegangen. Drittens gab uns der Kampf Gelegenheit, in Wort und Schrift eindringlich und flammend wie niemals unsere nationalen Ideale zu predigen. Viertens bewies er zum erstenmale unseren Juden, daß man ruhig auf politischem Boden schwer angegriffen und verleumdet werden, kämpfen und schlagen kann, ohne wie in alten Zeiten gleich eingesperrt oder ins Wasser geworfen zu werden und erzog sie also zu politischem Bürgermut. Endlich steigerte er durch den schließlichen Sieg außerordentlich das Kraftgefühl, das Selbstvertrauen und den Stolz in unseren Reihen und schloß sie inniger und kräftiger zusammen als jemals. Noch eins aber hat dieser Kampf ans Licht gebracht: und das sind die gewaltigen Sympathien, die wir uns schon in den wenigen Jahren in Konstantinopel erobert haben. Das Chanukka-Fest, daß wir gerade in jenen kritischen Zeiten veranstalteten, war eine mächtige Manifestation der Solidarität der besten Elemente unserer Judenheit mit unserer Sache und eine Herausforderung der Oeffentlichkeit an unsere Feinde. Also nach innen und außen hat uns dieser Kampf gehoben, befestigt, unerschütterlich gemacht und unser nationales Ideal in schönerer und leuchtenderer Qlorie erscheinen lassen. Sein Echo drang auch weit über die Hauptstadt in die ganze Provinz hinaus und hat dort stärker als frühen den Wunsch hervorgerufen, mit uns und als Teil von uns zu marschieren. Noch ein positiver Faktor unserer Organisation sei hier besprochen, d. 1. die starke Annäherung der beiden jüdischen Elemente, der Sefardim und Aschkenazim, die sie mit sich bringt. Diese beiden Elemente sind sich innerlich stark entfremdet, sie sind durch Sprache, Sitte, Lebensgewohnheiten, Temperament verschieden. Der „Makkabi" schließt sie eng aneinander, Schulter an Schulter stehen die jungen Leute, wie im Militärdienst bei uns neben- und untereinander, eine einzige Sprache gilt hier für beide, die Betonung ihrer Bluts- und Qeschtchtselnhelt, das Ideal gemeinsamen Zuisammenschaffens und einer gemeinsamen Zukunft schweißen sie aneinander. Das Wichigste aber ist, wie sie sich bei uns in dem Höchsten und Schönsten, was der Jüngling hat, begegnen: in dem gleichen Enthusiasmus und in den Kleichen Höchstanstregnungen physischen und moralischen Charakters. Das erhebt sie auf ein gemeinsames Niveau von einer Höhe, gegen die die alten Zustände der Verschiedenheiten und des gegenseitigen Mißverständnisses und Mißtrauens in tiefem Schatten liegen bleiben. Es sei hier gleich vorweg erwähnt, daß sich die Sefardim, d. h. die Spaniolen, körperlich ganz ausgezeichnet für die Turnübungen zu eignen scheinen. Bei unserem letzten Wetturnen haben zwei von ihnen erste und eine Reihe anderer kleinere Preise zu erringen verstanden, was ihnen nicht wenig Selbstgefühl gab vor dem gewöhnlich als überlegen angesehenen aschkenazischen Juden und diesem wiederum mehr Achtung für jene einflößen mußte. Nach diesem allen können wir wohl sagen, daß wir fühlen, das Richtigste und das Beste für die hiesige Judenheit zu wollen und zu leisten, daß wir alle Chancen des Erfolges für uns haben und daß es sich tausendfach verlohnen muß, für das ganze Judentum, meinen wir, uns aus vollen Kräften zu unterstützen, damit wir unsere Arbeit sichern und ins Ungemessene erweitern.

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