Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 7/8 (7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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146 No. 7-8 hebräischen Kommando haben wir unserer Jugend, das lebendige, tätige Bekenntnis zu unserer nationalen Sprache gegeben und sind damit ebenfalls einem tiefen Seelenbedürfnis nahegekommen. Unsere deutschen und österreichischen Turnbrüder haben ihre Sprache, die sie mit Bewußtsein lieben und um nichts in der Welt vertauschen möchten; sie fühlen darum gar kein Bedürfnis Aach einer anderen, nach der national-jüdischen Sprache. Anders im Orient. Unsere Jugend hat viele Sprachen und keine; sie wächst auf mit Spaniolisch im Hause, Französisch oder auch Deutsch in der Schule, Türkisch und Qriechisch auf der Gasse; sie hat keine einzige Sprache, welche sie lieben kann; aber sie hat eine gewisse Sehnsucht nach einer solchen. Indem wir ihr unsere hebräische Sprache als nationale proklamieren, füllen wir eine Lücke in der Seele aus, und indem wir mit den Liedern und dem Kommando anfangen, geben wir ihr etwas Qreifbares von ihr, zeigen wir ihr die Schönheit und Kraft dieser Sprache und ihre Fähigheit, als modernes nationales Ausdrucksmittel zu dienen. Wir wissen freilich ganz genau, daß die paar Brocken sehr wenig bedeuten und daß wir unserer Jugend die ganze hebräische Sprache geben müssen. Wir müssen und wir werden es auch, das Nationale kann im Orient nicht präsentiert werden ohne das Qewand der nationalen Sprache; aber wir sind leider noch nicht in der Lage, dieses unser Selbstversprechen einzulösen, aber wir sind jetzt entschlossen, bis zu dem Moment auszuharren und so lange mit Ausdauer an den wenigen Surrogaten, dem Qruß, den Liedern und vor allem dem Kommando festzuhalten. Dieses hebräische Kommando wird einstweilen der offizielle Ausdruck unserer Organisation bleiben und verhindern, daß sie nicht den französischen oder den türkischen nationalistischen Stempel erhalte. Ich sagte früher: das Meiste erreichten wir durch den Kampf. Und in der Tat, der Kampf hat den „Makkabi" reif, stark und groß gemacht. Eine in gewissen Kreisen einflußreiche Konstantinopler Zeitung, die sogenannten Notabein der Gemeinde und Seine Eminenz der Großrabbiner selber hatten es darauf abgesehen, den „Makkabi" zu vernichten, und zwar im Interesse der Allianz, deren assimilatorischen Anstrengungen durch die nationalen Tendenzen des „Makkabi" in Konstantinopel und anderwärts das Wasser abgegraben wird. Die Zeitung „El Tiernpo" leitete den Kampf ein, indem sie uns als Anarchisten und Vaterlandsverräter erklärte und der Großrabbiner machte ihn akut, indem er auf einen erpresserischen Druck des Tiempo- Redakteurs, mit Eklat seinen Austritt aus dem „Makkabi", zu dessen Ehrenmitglied man ihn nach seiner Gründung ernannt hatte, erklärte. Ein aufsehenerregender Prozeß mit dem Tiernpo und heftige Pressepolemiken stellten diesen unseren Kampf in das Zentrum des allgemeinen jüdischen Interesses in Konstantinopel. Nun denn, wir sind glänzend in ihm Sieger geblieben. Das Ansehen des „El Tiernpo" wurde durch uns großenteils vernichtet, der Großrabbiner hat in der Sache außerordentlich an Prestige verloren, der „Makkabi" aber ist durch sie moralisch und materiell ganz außerordentlich gewachsen. Die moralische Wirkung dieses Kampfes war eine vielfache. Erstens erzeugte er das Gefühl bei den Unsrigen, mächtig zu sein, weil wir Mächtigen gegenüberstanden: zweitens brachte er Bekenntnismut und, Treue hervor, die nur in Stunden des Krieges und der Gefahr geboren werden; nicht ein einziges Mitglied ist uns aus Furcht oder Bequemlichkeit in jener schweren