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Jüdische Turnzeitung · 1912-07-01 · 7/8 (7.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
7/8 (7.1912)
Date
1912-07-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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145 kommener, ein wirklich goldener Mittelweg, das liebste, leichteste Ideal, das sich für sie denken läßt. Alle sind sie dafür geschaifen, die Aermsten wie die Reichsten, die Handwerker, Käufleute und Studenten, niemand ist dafür zu elend, niemand zu blasiert. Allen ist dieses physische Ausleben neu; ihnen ist das Turnen nicht etwa ein lästiger Schulzwang, noch eine Ware, die man auf allen Märkten haben kann, es ist noch kein Gemeinplatz und gilt noch nicht als Surrogat für geistige Verblödung in überspiritualistischen Ländern. Nirgends kann man so sagen, wie bei uns, daß das Turnen beglückt. Unsere kleine Schuljugend träumt davon wie von zukünftigen Seligkeiten; die Bürschlein, denen irgend ein Kraftstückchen, eine Geschicklichkeit gelingt, bekommen den stolzen Uebernamen „Maccabistos", und es ist eine allgemeine Epidemie in den Konstantinopler Schulen geworden, mit Kreide und Tinte in alle Winkel und auf alle Fetzchen Magen-Davids zu kritzeln und die geheimnisvollen hebräischen „Makkabi-Lettern" hinelnzuzirkeln. Das sind die Symptome bei den Kleinsten, die sich bei den Jünglingen in Begeisterung, echten Stolz, Mut, Energie und Selbstaufopferung übersetzen. Indem wir diese Dispositionen für die Leibeskultur der nationalen Sache dienstbar machten, hatten wir einen glücklichen Qriff getan. Wir brachten zwei Novitäten mit einemmale, und die Neuheit des nationalen Ideals verschwamm im Oefühle unserer Jugend mit der Neuartigkeit des turnerischen zu einer einzigen, poetischen Schwärmerei, die ihr ganzes Leben gefangen nahm und verklärte. Beide Elemente sind ihr nun untrennbar, das Turnen ohne das nationale Kolorit etwas Flaches und Halbes, oder überhaupt ein ganz unbekannter und schwer konstruierbarer Oedanke. Das Turnen wird durch das Nationale verschönt und erwärmt, das Nationale durch das Turnen rege und wach gehalten; es bleibt nicht abstrakt, sondern gibt der Jugend fühlbare, praktische, regelmäßige körperliche Betätigung. Der Makkabi hat sein nationales Qepräge durch Statutenprinzipien festgelegt und den nationalen Qeist in seiner Mitte durch beiehrende Vorträge zu vertiefen und zu befestigen gesucht. Wir sind uns aber ganz klar der Tatsache bewußt, daß wir hierdurch sehr wenig erreicht haben, alles jedoch durch zwei Faktoren: 1. durch die Annahme und zähe Behauptung gewisser sogenannter Aeußerlichkeiten, 2. durch den Kampf. Es läßt sich nicht hoch genug bewerten, wieviel solche Kleinigkeiten und Aeußerlichkeiten wie unsere einheitliche Uniform mit den nationalen Farben, wie den Namen „Makkabi", das Magen-David-Abzeichen auf der Fahne und auf der Herzseite unserer Turnhemden, wieviel unser Jüdischer Turnergruß „Schalom", unsere hebräischen Lieder und unser hebräisches Kommando an seelischer Einwirkung vollbracht haben. Wir haben damit wieder glücklich die seelische Veranlagung unserer Jugend getroffen, die wohl begeisterungsfähig ist, aber noch der äußeren Symbole und Merkmale für ihre Begeisterung verlangt, wenn sie nicht verblassen und verdampfen »oH, ohne sich In Kraft umzusetzen. Der QruS „Schalom" Ist nur ein zweisilbiger Ausruf, wie Qut Heil, nichts welter; aber eine ganze Welt von Bekennen, von Liebe und Treue, von Kampf und Sieg Hegt für die makkabistische Jugend in diesem Wort. Der Magen-David ist für sie etwas Urjüdisches, Alt- Heiliges, Magisches; es gibt der ganzen Sache etwas von der Heiligkeit der Torah, auf deren Mantel es prangt. Mit den hebräischen Liedern und dem

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