Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 6 (6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6 133 Die Uebungsgruppen wollen wir demnächst veröffentlichen. Hier sei nur gesagt, daß manches Neue und Schöne gezeigt und genügend Anregung geboten wurde. Das sich dem Riegenturnen anschließende Kürturnen brachte nicht viel, denn die Zeit hierfür war zu karg bemessen. Einige hübsche Uebungen sah man am Reck und Barren, dagegen stand Pferd, das Stiefkind unter deu Geräten, ganz verlassen da. Zum Schlüsse machte uns Julius Hirsch-Berlin mit der hebräischen Kommandosprache bekannt. Er ließ Frei- und Ordnungsübungen von einigen Turnern ausführen und fand für seine Darbietung einmütigen Beifall. Die Zuhörer waren von dem Wohlklang der Sprache höchst angenehm überrascht. Mit dieser Vorführung hat sich Hirsch ein Verdienst erworben, wofür ihm Dank und volle Anerkennung gebührt. In der nun folgenden Besprechung wurden besonders die Uebungsgruppen am Barren, Pferd und Reck (schulterhoch) lobend erwähnt. Sowohl die schöne Zusammenstellung, als auch das sichere und exakte Vorturnen machte einen sehr erfreulichen Eindruck, und daß da, wo es nötint war, die entsprechende Unterstützung und Hilfe von seiten der Vorturnenden geleistet wurde, verdient anerkennend hervorgehoben zu werden. Mit allem Nachdruck aber ward den Vorturnern ans Herz gelegt, ihr Hauptaugenmerk auf allseitige Durchbildung, auf schöne Körperhaltung, sowie überhaupt auf gute Schulung der ihnen anvertrauten Turner zu richten. Namentlich bei Anfängern und Zöglingen muß auf ganz korrektes Ausführen der vorgeturnten Uebungen gesehen werden und eine Steigerung in der Schwierigkeit soll nicht früher erfolgen, als bis das Erstgezeigte mit guter Haltung vollbracht wird. Bei strenger Einhaltung dieses Prinzips kann der scewünschte Erfolg nicht ausbleiben. Nach der Besprechung kamen die Vorturnerinnen an die Reihe. Auch bei diesen machten Freiübungen den Anfang. Die Kleidung war recht nett und gefällig, die Ausführung der Uebungen einwandfrei. Man merkte den ernsten Willen, der auch durch gutes Qelingen belohnt wurde. Das Geräteturnen begann mit Stützreck. Fräulein Sofie Lewiii zeigte die ziemlich schwierigen Uebungen (besonders die Kürübung) mit Anmut und Leichtigkeit vor, und was noch mehr zu loben ist: sie sagte Jede Uebun< richtig anl Die ganze Riege verdiente den Beifall, der ihr gezollt wurde. Aehnliches läßt sich von den beiden anderen Geräten sagen: An den Ringen (Ausgangsstellung am Pferd) schöne Sprünge am Ende des Vorschaukeln über eine immer höher gelegte Schnur. Vorgeturnt von Fräulein Hanna Lewy. Am Barren geeignete Uebungen höherer Stufe von Fräulein Frieda Danziger. Beide Vorturnerinnen haben ihre Aufgabe graziös und sicher durchgeführt. Nach Beendigung des Geräteturnens wurden zwei Spiele gezeigt, die recht flott und mit vieler Gewandtheit vonstatten gingen. Damit war der turnerische Teil des Verbandstages zu Ende. ■ " Wenn wir nun das Ergebnis des ganzen Turnens zusammenfassen und alle Umstände, die dabei mitwirkten, erwägen, so können wir mit voller Genugtuung erklären, daß der Erfolg ein durchwegs zufriedenstellender war. Wollen wir hoffen, daß in Zukunft die Vorbereitungen für den Turn- ■ag. rechtzeitig, gründlicher und großzügiger getroffen werden« daß alle Vereine von der Notwendigkeit einer starken und mitwirkenden Beteiligung durchdrungen werden und, was als Vorbedingung wichtig ist. daß schon Jetzt Uberall Reisekassen für diesen Zweck angelegt werden.