Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 6 (6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965022-5965343--3306-4922064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 6 103 wegung ist dadurch beträchtlich gewachsen. Unter den angeschlossenen "Vereinen befindet sich der Jüdische Turnverein Zürich, der in die offizielle Organisation der Schweizerischen Turnerschaft, nämlich den patriotisch gerichteten Eidgenössischen Turnverein, als gleichberechtigtes Qlied aufgenommen wurde. Diese Inkorporierung beweist, daß Nationaljudentum und Patriotismus sehr wohl miteinander vereinbar sind. Noch zwei weitere Vereine haben sich bei unserem Verbände angemeldet: Der Jüdische Frauenbund für Turnen und Sport in Berlin und der Jüdische Turnverein in Jaffa, der uns als erster Turnverein Palästinas mit besonderer Genugtuung erfüllt. Fast auf jedem Turntage hatten wir uns mit zwei Problemen zu beschäftigen, nämlich der Organisations- und der Finanzfrage. Das erste Statut, das sich die Jüdische Turnerschaft in aller Eile gegeben, erwies sich als schwerfällig und unbrauchbar, so daß es schon auf dem zweiten Turntage erheblich geändert werden mußte. Auch der dritte Turntag gestaltete die Satzung in wesentlichen Punkten um, insbesondere durch die Neuschaffung der Obmannschaft. Dagegen beschäftigte sich der letzte Turntag mehr mit Finanzals mit Satzungsangelegenheiten. Im Mittelpunkt unserer heutigen Tagung steht die Verfassungsreform. Diesmal ist eine vollständige Neugestaltung der Statuten geplant durch die Einführung der Kreiseinteilung, durch die Abschaffung der Obmannschaftsinstitution, die sich nicht bewährt hat, ferner, durch die Möglichkeit, Turn- und Sportorganisationen aufzunehmen. Schließlich soll der Teil unseres Programms, der die systematische Erziehung der Jugend in bewußt Jüdischem Sinne bezweckt, stärker betont und ausgebaut werden. Unsere Vereine sind in der Tat jüdische Jugendvereine, die das Turnen zum Hauptinhalt gemacht haben. Die jüdische Jugendvereinsbewegung, die getrennt vor! uns ihre eigenen Wege geht, ist umgekehrt vorgegangen; sie hat versucht, durch Vorträge und Pflege der Geselligkeit auf die jüdische Jugend einzuwirken. Da sich aber das Interesse hierdurch auf die Dauer nicht wach halten läßt, sind die Jugendvereine auf den Gedanken gekommen, ein Turn- und Sportprogramm aufzunehmen. Die Mitglieder des Jugendbundes könnten aber, ebenso wie die Studentenverbindungen, in unseren Vereinen turnen. Auf dem 2. westdeutschen Verbandstage der Jüdischen Jugendvereine wurde eine Resolution angenommen, die den Jugendbund-Mitgliedern empfiehlt, bereits bestehenden jüdischen Turnvereinen ohne religiöse oder politische Tendenz beizutreten. Da unseren Verbänden derartige Tendenzen nicht Innewohnen, so steht dem Beitritt in unsere Verbandsvereine nichts im Wege. Wir wollen hoffen, daß die Mitglieder der jüdischen Jugendvereine sich nicht unnötig separieren und ihre Kräfte durch überflüssige Neugründungen zersplittern. Die nächste Zukunft wird ja lehren, welche Auslegung man der erwähnten Verbandstags- Resolution geben wird. Offenbar in Kampfstimmung gegen uns ist das Turnkartell deutscher Juden gegründet worden. Es möchte die Früchte unserer mühevollen Tätigkeit ernten, indem es die durch den Aufschwung der jung-jüdischen Bewegung ins Leben gerufenen, aber unserem Verbände noch nicht angeschlossenen Vereine zu sich hinüberzuziehen sucht. Die Bekämpfung dieses Turnkartells liegt schon in der Propagierung unserer Idee. Die Neugründung