Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 6 (6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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104 No. 6 keit des Turnens auf dem Zionisten-Kongreß betonte und so der Anreger und geistige Vater der jüdischen Turnsache wurde. Sein Name ist in die Tafeln der jüdischen Turngeschichte mit leuchtenden Lettern eingetragen und unvergänglich. Der schwerste Schlag, den die Jüdische Turnerschaft erlitten, traf uns durch den Heimgang unseres Führers und Freundes Dr. Georg Arndt. Wehmütig erinnern wir uns gerade heute seiner, wie er noch den vorigen Turntag in voller Lebensfrische leitete. Rein, treu und uneigennützig stand er seiner Familie, seinen Freunden, seinem Volke und der Menschheit gegenüber, war er manchem ein wandelndes Gewissen. Gegen niedrige Denkungsart und den platten Materialismus des täglichen Lebens konnte er scharf, ja hart sein und doch wie väterlich warm und zart war dieser große Mensch. Nur wer das Wesen eines großzügigen Idealisten begreift, kann seine Eigenart verstehen. Arndt war ein Aristokrat, allem Vereinsmäßigen und bloß Massenhaftem abhold; aber so groß war die Liebe zu unserer Sache, so glühend sein Drang, sie zu rieben, daß er neben seinem Beruf und seinen unablässigen Studien noch immer Zeit für die Jüdische Turnerschaft fand. Sein Bild hat uns Dr. Straus in vollendeter Weise bei der Gedenkfeier für den Verblichenen gezeichnet. Wir sehen ihn als genialen Arzt und Menschenfreund, wir sehen ihn künstlerisch genießen und Uber technische Probleme nachsinnen, als philosophischen Denker und praktischen Ethiker. Er war ein stolzer Jude, ein ganzer Mann, und er war unser. Die Liebe für die Turnsache und die Freude an der Arbeit strahlte von Arndt auf seine Mitarbeiter aus. Der edle Bannerträger unseres Ideals ist von uns gegangen. Er schritt von Erkenntnis zu Erkenntnis und all sein Wissen und all seine Liebe stellte er in den Dienst der Menschheit. „Den Menschen zu helfen, das ist meine Religion", sagte er mir einst in einer stillen Stunde. In diesem Worte liegt der ganze Arndt. Er war, was er sein wollte: ein Helfer. Was ein Goethe sich gewünscht, ihm hatte es das Schicksal verliehen: weise Gedanken und ein großes Herz. Sein Wirken dauert fort. Sie haben sich zu Ehren der Toten von Ihren Sitzen erhoben. Ich stelle das fest. In der Georg Arndt-Stiftung haben wir eine kleine Form gefunden für den Dank, den wir ihm schulden. Sein Andenken wird nie verlöschen, sein Vorbild uns anspornen für und für. Möge sein Geist segnend über unseren Beratungen schweben. — Ich erstatte nunmehr den Allgemeinen Bericht. Fast ein Dezennium ist verflossen, seit im Jahre 1903 die Jüdische Turnerschaft mit einem Bestände von 9 Vereinen begründet wurde. lYs Jahre später konnte der Vorsitzende des 2. Turntages darauf hinweisen, daß trotz der Anfeindungen, mit denen mau dem Jungen Verbände begegnete, und trotz der häufigen Angriffe in der Presse ein Wachstum unseres Bundes um 2 Vereine zu verzeichnen sei. Diese aufsteigende Tendenz zeigte sich auch in der Folgezeit. Im Jahre 1907 umfaßte die Jüdische Turnerschaft bereits 16 Vereine mit 1215 Mitgliedern und zjrka 1500 Zöglingen. Auf dem 4. Turntage 1909 stellte der Vorsitzende einen Zuwachs von 20 Prozent der Vereins- und Mitgliederzahl fest. In der Berichts-Periode ist die Zahl der Bnndesvereine von 17 auf 27 gestiegen. (Beifall.) Die Kraft unserer Be-