Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 5 (5.1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 99 Nach einer historischen Einleitung geht er die fünf Stufen, die jeder Redner beschreiten muß, mit. uns durch: Auffinden des Stoffs, Gliederung desselben, Ausdruck, Aneignung und Vortrag. Beim Auffinden des Stoffs (wie auch sonst in seinem Büchlein) wählt er als Beispiel die von ihm vertretene Idee der Bodenreform; setzen wir unsere Idee, die Idee des nationalen Judentums und dessen Stärkung durch Turnen und Sport an die Stelle seiner Idee, so ist zu sagen, daß jeder, der über unsere Sache spricht, sich eine genügende Kenntnis des Judentums der Gegenwart verschaffen muß; die grundlegenden Werke: Ruppin: Die Juden der Gegenwart; Zollschan: Das Rassenproblem; Teilhaher: Der Untergang der deutschen Juden; Zionistisches A-B-C-Buch muß jeder gelesen haben, der über unsere Sache sprechen will. Auf die Kenntnis der in diesen Büchern dargelegten Tatsachen muß sich ein Vortrag aufbauen. Die Gliederung des Stoffs will Damaschke mit JRecbt so angelegt wissen, daß der Vortrag Vi bis 1 Stunde nicht übersteigt; der Vortrag soll klar disponiert sein, eine Einleitung, die die Wichtigkeit der Frage andeutet, einen Hauptteil und einen Schluß haben, der die Kernfrage nochmals gedrängt darlegt und in dem zur tätigen Mitarbeit aufgefordert wird. Der Ausdruck soll sich nach dem Hörerkreis (mehr interessierte oder fernerstehende. Vortrag für Mitglieder oder Propagandavortrag) richten; nidht zu viel Pathos haben, aber durch Bilder und Vergleiche aus dem Leben ,und der Geschichte '.— also auch Kenntnis der jüdischen Geschichte erforderlich •—) anschaulich sein; man wird z". B. mit Erfolg eine Turnstunde, einen Turnmarsch, die Turnspiele im Freien schildern können. Die Aneignung des Stoffs wird bei jedem Anfänger in der Form des Auswendiglernens erfolgen; mit der Uebung aber wird er sich davon frei machen; sich die Hauptpunkte seines Vortrags merken und dann frisch losreden; nur der freie Vortrag, nicht die Vorlesung, „wirkt". Beim Vortrag selbst spielen Haltung und Ton eine wichtige Rolle. Auch beim Reden ist durch Fleiß -viel zu erreichen; nur wer sich übt, kann auch aus seiner Begabung etwas machen. Drum nicht allzu ängstlich, liebe Turnbrüder, benutzt das Rezept, das Damaschke gibt und führt uns durch die Gewalt Eurer Rede neue Anhänger zu. Dr. Baer-Berlih. Judentaufen. (1912. Georg Müller, Verlag, München.) Unter diesem mir etwas gesucht klingenden Titel veröffentlicht der Berliner Schriftsteller Dr. A. Landsberger das Ergebnis einer Enquete über die Judenfrage, in der viele sogenannte „maßgebende Persönlichkeiten". Schriftsteller, Politiker, Universitäts-Professoren etc. zu Worte kommen. Derartige Enqueten über alle möglichen und unmöglichen Probleme sind ein Zeichen unserer oberflächlichen Zeit. Sie sind schnell zu lesen, leicht zu verdauen und — mächtig interessant. Und solche Lektüre braucht der Moderne, um am nächsten ästhetischen Teeabend Über dieses oder jenes klugschwätzen zu können. „Herr Prof. X. vertritt .bekanntlich' diesen Standpunkt, während ja .bekanntlich' Herr Prof. Y. entgegengesetzter Meinung ist." Ist so ein allumfassendes Urteil nicht imponierend? Nun, solange die Gesellschaft diesen Dilettantismus in gleichgültigeren Fragen, etwa ob die Welt untergehe oder nicht, züchtet, begnügen wir uns mit einem mitleidsvollen Achselzucken. Energisch protestieren müssen wir hingegen, wenn man versucht, unser tausendjähriges Judenleid zum Motiv eines „interessanten" Buches zu machen. Das Schicksal unseres Volkes ist uns zu sehr bitteres Erlebnis, persönlichste Tragik, um nur interessant zu sein. Dieses prinzipiell ablehnende Urteil kann ich nur unterstreichen, wenn ich die einzelnen Aufsätze (wenn man übertrieben so sagen kann) betrachte. Man darf die einzelnen Autoren nicht verantwortlich machen, die sich aus den verschiedensten Gründen für genötigt hielten, in knappen