Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 5 (5.1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 95 Der Springer stellt sich nun, von Nr. 5 unterstützt, mit den Fußspitzen (nicht mit dem hohlen Fuß) auf die Stange, indem er sich mit beiden Händen auf die Köpfe von Nr. 3 und 4 stützt. Nun beginnen 1—4 auf das Kommando von Nr. 1 den erforderlichen Schwung zu holen, indem sie den Oberkörper etwas nach vorn beugen, so daß der Stab beinahe auf die Erde gesenkt wird, während der Springer in die Kniebeuge geht und sein Körpergewicht mit den Fußspitzen und in den Kniegelenken federnd auf der Stange balanciert. Auf das Kommando 2 richten sich 1—4 kurz auf, indem sie den Stab mit einem kurzen Ruck schräghoch emporreißen. Der Springer wird natürlich dadurch ebenfalls hochgestoßen und schnellt gerade in demselben Moment mit einem federnden Satze von der Stange ab, in dem die Bewegung des Emporreißens beendet ist. Diese Bewegungen sind das wesentlichste des ganzen Sprunges und müssen unbedingt aufeinander folgen, wenn derselbe gelingen soll. Falsch ist es, wenn der Springer schon hochspringt, wenn sich die Stange erst in Hüft- oder Schulterhöhe befindet, dagegen wird aber auch der Sprung mißlingen und der Springer kurz nach vorn herunterkommen, wenn er zu lange auf der Stange bleibt, den Augenblick des Abwippens also verpaßt. Am empfehlenswertesten ist es, den Qewehrsprung mit einer Mannschaft von mindestens 6 gleichgroßen Turnern einzuüben und nach jedem Sprunge mit den einzelnen Funktionen und den Springern wechseln zu lassen. Man beginnt zunächst mit geeigneten Vorübungen, wie einfacher Absprung von der Stange ohne Abwippen etc., versucht dann Sprünge von etwa 1,50 m und steigert dann allmählich die Höhe. Dringend davon abzuraten ist, bald mit 3 und 4 m-Sprüngen zu beginnen. Mir passierte es z. B., bei dem dritten Sprunge, den ich ausführte, daß ich während des Fluges die Balance verlor, beim Niedersprunge nur mit dem rechten Fuß landete, und mir dadurch eine leichte Verstauchung der rechten Ferse holte, was ich hätte vermeiden können, wenn ich mich bei den ersten Sprüngen auf geringere Höhen beschränkt hätte. Die Turner 1—4 müssen so ausgebildet werden, daß sie den Stab gleichmäßig emporreißen, damit das eine Ende nicht höher gehoben wird als das andere, wodurch der Absprung mißlingen könnte. Nr. 5 hat aufzupassen, daß der Springer nicht hinten herunterfällt, und kann ihn bei hohen Sprüngen dadurch unterstützen, daß er ihm in dem Augenblick des Abwippens mit der rechten Hand am Qesäß einen kräftigen Stoß in der Sprungrichtung gibt. Der Springer muß sich bei niedriger Schnur schon bemühen, den Körper kurz nach dem Abwippen zu strecken, damit er in tadelloser, gestreckter Haltung Uber die Schnur kommt, und muß es lernen, während des Fluges die Balance zu behalten, damit er nicht das Gleichgewicht verliert und umkippt. Die Werfer (Nr. 1—4) müssen sich mit dem Springer darüber einigen, ob der Sprung hoch oder weit ausfallen soll. Reißen sie den Stab ganz senkrecht nach oben, so ist die Vorbedingung für einen steilen, hohen Sprung gegeben, und der Springer darf dann nicht zu einem Weitsprunge abwippen, da er sonst auf den Rücken fallen würde. Je spitzer der Winkel ist, den der emporgerissene Stab zum Fußboden bildet, desto weiter wird der Sprung ausfallen und dementsprechend muß auch der Springer abwippen. Den Absprungsort wähle man ca. 1,5(1 m von der Schnur entfernt. Der Qewehrsprung soll möglichst auf freiem Platze geübt werden. Die Niedersprungstelle muß in etwa 5—8 m Länge und 2—2Vsj m Breite auf- Kegraben und recht oft nachgelockert werden. Die denkbar beste Landungsstelle bildet ein entsprechend großer Sandhaufen, der Unfälle beim Springen völlig ausschließt. Falls der Gewehrsprung in der Halle geübt wird, muß ein Sprungtuch verwendet werden. Befinden sich nur Matten an dem Niedersprungsort, dann dürfen Sprünge über 3 Meter nicht ausgeführt werden. Im Sommer kann der Sprung sehr gut beim Baden geübt werden.