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Jüdische Turnzeitung · 1912-05-01 · 5 (5.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
5 (5.1912)
Date
1912-05-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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No. 5 93 Jahre 1862 zu den Deutschen gesprochen, die an die Gründung des Reiches und die Einheit des Volkes nicht glauben wollten: „Es gibt philosophische Sozialpolitiker, die uns das Wort entgegenhalten werden: die Deutschen sind ein Kulturvolk, weniger berufen zum Eingreifen in die äußeren Geschicke der Welt, als zur Pflege der geistigen Entwicklung und zur Lösung der großen Fragen der Menschheit. Wer sich damit tröstet, dem wünschen wir die Resignation der Juden. Denn auch die Juden waren ein Kulturvolk. Zu dieser Resignation haben wir es noch nicht gebracht. Wir glauben, daß das deutsche Volk noch nicht so tief gesunken ist, um sich mit dem Bewußtsein, ein Kulturvolk zu heißen, über seine politische Machtlosigkeit zu trösten." Wir Nationaljuden führen den Kampf gegen die Resignation im jüdischen Lager; mögen auch die „Liberalen" dafür sorgen, daß unser Volk aus der deutschen Geschichte lernt und nicht mehr als abschreckendes Beispiel eines resignierten Volkes dasteht. Neue Jugend. Von Martin B u b e r. Wie müde Wandervögel waren wir, Wir jungen Juden, stumm und ohne Ruh, Wie ein gehetztes, todesbanges Tier Sah jeder starr dem Weltgetriebe zu. Und wollte doch ein Blitz das Aug entzünden. War es wie Sterne, die in Nacht verschwinden. Wie schmaler Blumenstengel schwanke Schar, In eines Glases enges Rund gepreßt. So waren wir. Und wie ein kranker Aar Im Käfig, fern vom felsgeschützten Nest, In- Sehnsucht schweigt, so war in tiefer Stille Ein einsam stolzer Schmerz nur unser Wille. So fruchtlos war ja alle unsre Tat, So ohne Zukunft unser junger Drang; Wenn je vor unser durstges Auge trat Des Lebens Glut und goldner Ueberschwang, Da bebte unser Herz, doch durch die Hände Rann träg das Blut, und nirgends war ein Ende. Nur manchmal ahnten wir es dämmerhaft, Daß uns ein ander Los entgegenquoll, Und keinem war der Mut so tief erschlafft. In diesem Traume war er Glückes voll, Sah er dies Leuchten durch das Dunkel schweben, War er berauscht und wollte doch noch leben. Da ward es Licht. Ein ruhig großes Wort, Das eines Träumers schlichtem Mund entsprang. Hob uns empor und riß uns mit sich fort Und gab uns Hoffnung und gab uns Gesang; Des Traumes Deutung, unsrer Ahnung Zeichen, Schuf es uns Bettler um zu Ueberreichen.

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