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Jüdische Turnzeitung · 1912-05-01 · 5 (5.1912) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
5 (5.1912)
Date
1912-05-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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No. 5 91 reichischen Reichsratswahlen in Qalizien führt das jüdische Volk den Kampi. das gerade in Oesterreich an vielen Punkten seine höchste Kraft setzt, sich Rechte der Nationalität zu erwerben. In Rumänien und in der Bukowina sind ebenso wie in Rußland und Oesterreich nationale Juden, die als solche von Juden gewählt sind, Mitglieder der Parlamente. Wem das alles noch nicht genügt, der frage die Juden in den Kolonien Palästinas nach ihrer Nationalität, der schaue sich zuletzt auch nach den Hunderttausenden von organisierten und unorganisierten Zionisten um, die unbeschadet ihrer Staatsbürgertreue in ihren Wohnländern sich offen zur Jüdischen Nationalität bekennen. Diese jüdische Nation hat auch nationale Begabung. Man legt den Begriff der nationalen Begabung allerdings ganz falsch aus, wenn man darunter nur kriegerische Begabung und militärische Fähigkeiten versteht. Zwar haben auch auf diesem Oebiete die Juden von der Erorberung Kanaans an bis auf den heutigen Tag ihren Mann gestanden; dafür spricht das berühmte Kapitel „Die Juden im Heere", das in keiner jüdisch-liberalen Versammlung, in keiner jüdisch-liberalen Zeitschrift fehlen darf. Aber für die Beurteilung der Fähigkeiten einer Nation kommt es nicht entscheidend darauf an, ob sie mit militärischer Gewalt territoriale Erwerbungen machen kann. Selbst der Imperialismus, die moderne Form des Systems der territorialen Machterweiterung, zieht die friedliche Diplomatie der kriegerischen Aktion vor. Staatsmännische Leistungen in der auswärtigen und inneren Politik, Arbeiten zur kulturellen und wirtschaftlichen Hebung von Volk und Land sind wahrhaft staatsfördernde Handlungen. Auf allen diesen Gebieten haben die Juden den Beweis ihrer hervorragenden Befähigung erbracht. Juden waren D'Israeli, der Begründer des englischen Imperium, und Stahl, der die konservative Partei in Deutschland geschaffen hat, der Jude Lasallc hat die deutschen Arbeiter organisiert, und von jüdischem Blute war Karl Marx, der den internationalen Sozialismus geschaffen hat. Alle diese Männer haben allerdings nicht für das Judentum gearbeitet, ihre Arbeit ist dem jüdischen Volke nicht zugute gekommen. Allein wir prüfen ja nur die Begabung für staatsmännische Leistungen. Der Beweis für ihr Vorhandensein ist erhracht. Die Bedeutung der Juden in der Volkswirtschaft ist von Werner Sombart*) unwiderlegbar erwiesen. Ihre kulturelle Bedeutung ist zu allen Zeiten und von allen Völkern anerkannt worden. Eine Seite der kulturellen Begabung sollten aber auch die „Liberalen" zugeben. Sie selbst schützen die religiöse Begabung der Juden und erblicken in ihrer religiösen Bedeutung die Mission des Judentums. Ist ihnen dabei aber nie zum Bewußtsein gekommen, daß sie damit auch die nationale Begabung zugeben, die sie doch abstreiten wollen? Die Religion ist ein bestimmender Faktor, der Kultur und ist wie jeder andere Zweig der Kultur von dem Volke als nationale Schöpfung hervorgebracht. Ein Volk, das wie die Juden eine Religion geschaffen und erhalten hat. die nicht nur selbst den Jahrtausenden getrotzt, sondern auch die (lrtiiu!- lage für andere Weltreligionen gegeben hat. hat damit auch seine hervorragende nationale Begabung bewiesen. *) »Die Juden und das Wirtschaftsleben«. Leipzig 1911.

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