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Jüdische Turnzeitung · 1912-04-01 · 4 (4.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
4 (4.1912)
Date
1912-04-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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No. 4 75 Indem der Verfasser zeigt, wie der Sport in England und in Deutschland betrieben wird, gibt er zugleich eine Darstellung unt} Qeschichte der einzelnen Sportarten, er beschreibt das Tennis-, Fußball- und Hockeyspiel, das Klubrudern, das er für den gesündesten Sport hält, er spricht vom studentischen Fechten und seinen Nachteilen, z. B. dem Fechten in den abgeschlossenen und schlecht gelüfteten Paukböden und dem allzu großen Gewicht, das auf das „Stehen" gelegt wird. Hierbei bietet sich ihm die Gelegenheit, das blöde Trinkunwesen der deutschen Studentenverbindungen ■zu geißeln. — In unseren bewußt-jüdischen Verbindungen ist es besser; sie stellen das Hessen vorschwebende Ideal einer Verbindung schon so ziemlich dar: es wird wenig getrunken, desto mehr Sport getrieben, ohne daß sonst die traditionellen Sitten und Gebräuche der Studenten beiseite gelassen werden. — Interessant ist es, wenn der Verfasser sich dagegen wehrt, daß Lawn-Tennis ein spezifisch englisches Spiel sei, er meint, es sei ein germanisches Eigentum, denn vor dem 30 jährigen Kriege war das Teunisspiel in Deutschland allgemein bekannt, man spielte es nur im Zimmer; als Beweis für seine Behauptung führt Hessen die verschiedenen „BalMuser" in Tübingen, Mannheim, Heidelberg etc. an. Leider erwähnt er nicht, daß in Rotenburg a. d. Tauber noch heute ein Gebäude besteht, das de»#Jamen „Der luden Ballhaus" trägt, ein Beweis, daß die Juden auch schon früh diesen Sport getrieben habe).. Für uns national-jüdische Turner nun ist das Buch am meisten deshalb von Wert, weil es uns zeigt, woran es bei uns noch fehlt. Wir müssen die Auffassung der Engländer, wie sie Hessen darstellt, zu unserer nationalen machen. Jeder jüdische Turnverein, der eine Bibliothek besitzt, sollte sich Hessens Buch anschaffen und, falls eine solche nicht vorhanden, sollte sich Kein jüdischer Turner scheuen, für 1,50 M. dies Buch zu erstehen. Fritz J a c o 1) s o h n - Stettin. Fürs praktische Turnen. Pyramiden. Mit den ägyptischen Königsgräbern haben sie mir den Namen gemein. Aus dem kostbarsten Material, aus Menschenleibern, gefügt, stürzen sie, kaum vollendet, wie ein Kartenhaus zusammen. Ihre Errichtung ist Selbstzweck; sie entspringt der reinen Freude am Bauen. Wenn die Mauerkrone aufgesetzt wird, istder Bau reif für den Abbruch. Aus den Pfeilern und Balken zaubert der Baumeister ein anderes Haus und bläst es wieder um. „Pyramiden" sind Baukörper turnerischer Freiübungen. Zu ihrer einfachsten Form sind drei Turner erforderlich, mit denen zwei Stockwerke gestellt werden. Teilt man den drei Genossen drei weitere zu, mit der Aufgabe, in gleicher Weise weiter zu bauen, so entsteht ein drittes Stockwerk. Dieser Hochbau ist die ursprüngliche Art der turnerischen Spitzpyramide, bei der die Fundamente auf gerader Linie stehen. Beim Pyramidenbau mit unbeschränkter Teiluehinerzalil können die Grundflächen im Bogen, im Kreise und auch im Dreieck liegen. Oft werden mehrere Pyramiden ungleicher Art zusammengestellt, links und rechts Gruppen symmetrisch angereiht und einige Turner in Parade vorgebaut. Daun entsteht die Massenpyramide, jenes Schaubild, das dein dankbaren Festpublikum gezeigt wird und das trotz scheinbarer Buntheit ein Muster stilgerechter Baukunst sein kann. Der Turnwart als Architekt von Pyramiden erweist sich da oft als Regisseur und Meister in der Beherrschung der Massen. Es gibt zwar noch keine «.Schule Reinhardt" auf diesem Spezialgebiet, mich moderner künst-

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