Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 4 (4.1912)
- Date
- 1912-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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74 No. 4 Bücherschau. Heinrich Löwe: Die Sprachen der Juden. (Jüdischer Verlag, Berlin, 1911.) Einen wichtigen Abschnitt aus der jüdischen Volkskunde gibt uns Löwe in seinem Buche: Die Sprachen der Juden. Die Sprachen des jüdischen Volkes zeigen soviel Anomalien auf, wie auch sonst das Leben des Volkes. Ein großer Teil des jüdischen Volkes spricht noch heute mit Zähigkeit die Sprache des Landes, aus dem es vertrieben wurde. Die polnischen, russischen, gaUzischen Juden sprechen deutsch, die türkischen spanisch, die bucharischen persisch, die chinesischen indisch. Sie alle sprechen die Sprachen trotz der langen Trennung von dem Lande, aus dem sie vertrieben wurden; durch die Beimischung von hebräischen Worten und Ausdrücken des Landes, in dem sie leben, haben sie eigene Sprachen: das Judendeutsch (Jargon), das Judenspanisch, Judenpersisch, Judenindisch daraus gemacht, die auch dadurch noch mehr eigentümlich werden, daß alle mittelalterlichen, in der Sprache des Landes, aus dem sie stammen, längst nicht mehr in Qebrauch befindlichen Ausdrucke noch erhalten werden. In der Oegenwart werden diese Sprachen immer mehr und mehr von den Landessprachen verdrängt, wieder lockert sich ein Band, das die Juden zusammengehalten. Solange diese Verdrängung noch nicht völlig .vor sich gegangen, sprechen die Juden die Landessprache häufig neben der Judensprache, wie sie wohl überhaupt das vielsprachigste Volk der Erde sind. Die Einladungen unseres Brudervereins Makabbi in Konstantinopei zeigen Ja bekanntlich die türkische, französische und hebräische Sprache. Daß das Hebräische dazu berufen ist, wieder die Volkssprache der Juden zu werden, zeigt uns der Verfasser in ruhiger und sachlicher Weise, die aber doch die Begeisterung für das Ideal nicht vermissen läßt. Wir erfahren auch von der Entstehung des Hebräischen, von seiner Verdrängung in Palästina durch das Aramäische, von seiner Erhaltung durch da» ganze Qoluth als Qebetsprache und Schriftsprache und vo/i seiner Neubelebung in unserer Zeit, von den vielversprechenden Ansätzen, die es wieder zur Umgangssprache (besonders in Palästina) gemacht haben und welter machen werden. Lowes Buch ist keine Propagandaschrift, die mit großen Worten einige Dinge in den Mittelpunkt rückt, um die sich alles andere herumgruppiert; es ist eine wissenschaftliche Arbeit, die mit Fleiß und Ausdauer gelesen sein will, die aber beides reichlich belohnt. Dr. Baer-Stettin. Der Sport. Von Rudolf Hessen. (Literarische Anstalt Rütten & Loenning, Frankfurt a. M.) In der von Martin Buber herausgegebenen Sammlung „Die Gesellschaft" ist von Rudolf Hessen ein Band „Der Sport" erschienen, der in mehr als einer Beziehung von uns jüdischen Turnern Beachtung verdient. Hessen zeigt, auf welche Weise die einzelnen Sportarten in dem Vaterlande des Sports, In England, von allen Bevölkerungsklassen betrieben werden,, wie das ganze Volk, vom Mitglied des Oberhauses bis zum Dockarbeiter, seine freien Stunden dem Sport widmet, während man in Deutschland selten eine andere Erholung kennt, als die beim Olase Bier. Der Verfasser legt in treffender Weise dar, welche nationalen Vorteile die Pflege des Sports einerseits und das Vermeiden des Alkohols andrerseits mit sich bringt Da man in England fiberall weiß, daß der Sport zum großen Teil die Gesundheit fördert, so besitzen die Englander eine Achtung lür die Würde und Veredelung des Leibes in jeder Beziehung. Da aber der Engländer auch weiß, daß wirkliches Sporttreiben ein ehrliches Ringen um die Meisterschaft bedeutet, so erklärt sich die „Richtung im gesamten Voikscharakter auf Achtung gegnerischer Rechte", die englische „fairness".