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Jüdische Turnzeitung · 1912-02-01 · 2/3 (2.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
2/3 (2.1912)
Date
1912-02-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 2/3 31 der Leibesübungen erkannt, als Jahn vor 100 Jahren, in der Zeit des nationalen Tiefstandes, gerade den nationalen Sinn der griechischen Qymnastik erkannte und im deutsch-vaterländischen Sinne wieder auffrischte. Die Hebung des Nationalgefühls neben der Stärkung der Volkswehrhaftigkeit wird zum Ziel des Turnens, und in dem Qrundsatz der Deutschen Turnerschaft rindet eine diesbezügliche Bestimmung Aufnahme. Das Turnen wird mit vollem Bewußtsein ein MitteJ zur Weckung des Nationalgefühls. Man entdeckt mit wahrhafter Virtuosität imme'r neue Seiten der Ausbildungsmöglichkeit und erwartet sie je nach dem Standpunkte für oder wider die Turnerei. Die Reaktion verfolgt sie als Sinnbild der Demokratie. Und in der Tat, es steckt im Turnen ein gut Teil Demokratie: In der Oleichheit von Arm und Reich in bezug auf Kleidung und Unterordnung unter den Willen dessen, der durch Leistungen hervorragt. In der gegenseitigen Hilfeleistung und Unterstützung. Im Unterordnen des einzelnen unten den Vorteil der Partei beim Turnspiel. Es ist bekannt, wie die Sozialdemokratie in ihren Arbeiter- Turnvereinen, das Polentum in seinen SoRol-Vereinen dieses Moment auszunutzen verstehen. Und ohne Zweifel liegen im Zusammenwirken einer größeren Zahl bedeutende Momente, die gegen die Einzelgymnastik, wie sie namentlich im Sinne der Qesundheits- und Heilgymnastik ausgeübt wird, immer erfolgreich ins Feld zu führen sind. Uebt diese immer nur fast ausnahmslos allein den Körper, so trainieren gemeinsame Turnübungen und Spiele auch den Qeist und besonders die Auffassungsgabe. Der Wetteifer stählt die Energie, und eine ganze Reihe von neuen, lebensvollen Interessen lösen für viele Junge Turner die sexuelle Frage im Sitme einer den einzelnen wie der Nation zugute kommenden Sittlichkeit. Was wollen gegen alle diese Vörzüge die — im Verhältnis zur Zahl der Turner immer nur geringe — Anzahl von Unfällen besagen, die, meist leichter Natur, durch die positiven, der Gesamtheit wie dem einzelnen zugute kommenden Werte tausendmal aufgehoben werden? Wir sahen aber, wie es immer nur einzelne dieser Momente waren, die man zu verschiedenen Zeiten und aus mannigfach unterschiedlichen Gesichtspunkten bei Ausübung des Turnens, das heißt eben gemeinsam ausgeführte Körperübungen*), sich zum Ziele nahm. Wie aber können wir Jüdische Turner sie alle uns auf beste zugute kommen lassen, wir, die wir zwar stets die Angegriffenen, nie die nationalen Krieger, die wir zwar stets die unterdrückte Minderheit, nie die herrschende Adelsklasse sind, die wir zwar in Jeder möglichen, nur in keiner eigenen, von körperlicher Schönheit durchtränkten Kultur leben, die wir zwar eine nationale Wiedergeburt herbeisehnen, aber mehr negierende als mitstrebende Genossen zählen, die wir zwar Demokraten, nie aber eines Sinnes sind? Auf diese Frage der besten Ausnutzung und besten Ausgestaltung unseres Turnbetriebes wollen wir ein anderes Mal zu sprechen kommen. *) Turnen (nrspr. Turnieren) kam erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts zur Bezeichnung gemeinsamer Turnübungen in Anwendung.

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