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Jüdische Turnzeitung · 1912-02-01 · 2/3 (2.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
2/3 (2.1912)
Date
1912-02-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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30 No. 2, 3 zwischen Krieg und Adelskaste auch in der Körperkultur in Erscheinung tritt. Sparta bietet ein gutes Beispiel. Die geringe Zahl der Spartiaten beherrschte ein weites Land und eine zahlreiche, in engem Abhängigkeitsverhältnis gehaltene Bevölkerung. Und das war nur möglich durch eine fast einzigartige Körperstählung jedes einzelnen Mitgliedes der Herrscherkaste, durch Beseitigung der Schwachen, durch eine bis ins Extrem gehende Kultivierung des körperlichen Mutes im Sinne der Tollkühnheit und Geringschätzung des eigenen Lebens. Und sehen wir nicht noch heute diese Betonung des persönlichen Mutes in unseren ersten Kreisen, z. B. im Duellwesen, in der allerschärfsten Verurteilung jeder Handlung, durch die auch nur im allergeringsten der persönliche Mut des einzelnen in Zweifel gesetzt werden könnte? Das sind keine neuen Erfindungen, Sparta zeigt sie uns bereits in ausgeprägtester Form und vielleicht in unserem Sinne auch noch ein wenig edler insofern, als mit der Stählung des Mutes eine Ausbildung des Körpers Hand in Hand ging. Alles zugeschnitten auf den Krieg. Und dadurch unterscheidet sich Sparta von dem übrigen Qriechenlsnd. Denn hier wurde zum erstenmal in der Welt die Körperkultur von dem militärischen Zweck emanzipiert und im Sinne eines einzigartigen Schönheitsideals Selbstzweck. Der freigeborene Qrieche lebte zum Zwecke der Schönheit. Der südliche Himmel, der fruchtbare Boden, das häfenreiche Meer, die Masse der die Feldarbeit leistenden Unterworfenen boten dem Hellenen alles zum Leben Notwendige. Und ohne materielle Lebenssorgen blieb dem intelligenten, wohlgebildeten Freigeborenen nur ein Ziel: durch Anmut und Schönheit Ruhm zu erwerben. Da aber anmutig und schön nur ein wohtgebildeter Körper sein kann, so wurde Körperkultur Lebenszweck. Und so werden wir es verstehen, wie tagaus, tagein der Ringplatz und die Laufbahn, das Schwimmbad und der Rasen das Element der männlichen Jugend bis ins höhere Alter hinauf wurde, wie die Schar der Greise im innigsten Konnex mit der Jugend das Zuschauerpublikum und die Kampfrichter bildete, und wie die ganze Nation die Spiele in den Mittelpunkt ihrer Religion, zum Lebenselixier ihrer Nation machte. Der männliche Körper und seine Ausbildungsmöglichkeiten bildeten das Hauptinteresse im Gespäche. Bis in die Philosophie, die wie das ganze hellenische Leben immer etwas Spielendes behalten hat, ging diese Wertschätzung des Körperlichen hinein. Und die großen Spiele mit ihren Wettkämpfen, die gar nicht selten einen Zug von Roheit — für unsern Oeschmack wenigstens — aufwiesen, wurden der Kern, schließlich das einzige bleibende Bindeglied der vielfach auseinanderstrebenden griechischen Nation. Qerade das nationale Moment der im übrigen sich in den einfachsten Formen bewegenden griechischen Gymnastik müssen wir, wollen wir sie anders überhaupt verstehen lernen, in den Vordergrund stellen. Das hellenische Schönheitsideal hat man seit Anbruch der Renaissance immer wieder und wieder bewundert, die Körperkultur, die ihr zugrunde lag, nur allzu oft vergessen. Aber endlich sollte sie doch einmal, und zwar von philosophischer, also griechentümelnder Seite in den Vordergrund gestellt werden. Das Wiedererwachen der Gymnastik am Ende des 18. Jahrhunderts ging, nachdem ein Philosoph und ein Lebensreformer, Locke und Rousseau, die Anregung gegeben hatten, von Gymnasiallehrern aus. Und kaum hatten Guths Muths und Vieth das persönlich-erzieherische Moment

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