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Jüdische Turnzeitung · 1912-02-01 · 2/3 (2.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
2/3 (2.1912)
Date
1912-02-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 2/3 29 Menschheit; demgemäß bürgern sich auch in Deutschland das schwedische Turnen und Englands Spiele immer mehr ein. — Die Ursache des Fernhaltens vom Turnen unserer Stammesgenossen liegt nicht, wie manche es erklären wollen, in der Fremdheit des von uns betriebenen Systems; sie liegt einfach in der allen Menschen angeborenen Faulheit, welche durch das mangelhafte Verständnis für unsere Idee nicht erfolgreich bekämpft werden kann. Unsere Schauturnfeste müssen gänzlich reformiert werden; sie sollen ein treues Bild unserer inneren Arbeit darstellen und nicht nur ästhetische Abende bilden, wie bisher; die Vorbereitungen für einen solchen Abend nehmen — wenigstens bei in Qalizien — viele Monate in Anspruch, und die eingedrillten Uebungen sind für unseren Körper entweder ganz belanglos, oder entwickeln ihn nur einseitig. — Ich schrieb diese Zeilen hauptsächlich, um einen Meinungsaustausch über dieses Problem hervorzurufen und hoffe, in der Diskussion meinen Standpunkt noch näher begründen zu können. Ziele des Turnens. Von S. Rosenbaum -Königsberg i. Pr. Das Turnen ist nicht uralt wie die Menschheit. Denn als eine Arbeit mit nicht direktem, sofort in Erscheinung tretendem Nutzeffekt mußte es dem Gedankenkreise der Wilden fern liegen, der noch obendrein durch tägliche Inanspruchnahme seines ganzen Körpers im Kampf um die Selbsterhaltung eigentlich in einem dauernden Training seiner Körperkräfte befand. Das Leben wiederholte sich in allen seinen Erscheinungen Tag für lag, und so bedurfte es keinerlei Vorbereitungen für bestimmte, nur zeitweise in Erscheinung tretende körperliche Anforderungen. Nur der Krieg war, wenn auch kein seltenes, so doch immerhin ein besonderes Ereignis, das in die körperlichen Kräfte höhere Anforderungen stellte. Daher finden wir bei primitiven Bevölkerungsgruppen die Körperübungen auf Kriegsübungen beschränkt. Waffen sind Turngeräte. Der Reitsport ist Kriegskunst. Ein beliebtes Turngerät, unser Pferd, leitet so seine Herkunft ab. Ein römischer Militärschriftsteller erzählt, wie die römischen Legionäre an Holzpferden Uebungen vollführen mußten; und noch auf Jahns Turnplatz besaß unser Pferd Mähne und Schwanz. Es besteht ein inniger Zusammenhang zwischen Kriegs- und Adelskaste. Die Helden im Kriege wurden die Fürsten im Frieden. Aber die Tapferen im Streiten waren nicht immer die Einsichtigen im Herrschen. Die große Masse der Beherrschten betrachtet früher oder später die Herrschaft weniger Familien — die Oligarchie —- mit Unwillen. Diese sucht sich aus eigenem Interesse mit aller "Gewalt zu halten: Aufstand und grausame Unterdrückung folgen. Eine Minderzahl bedarf, um sich zu halten, ganz besonderer Anstrengungen und Fähigkeiten. Die natürliche Folge ist eine auffallende Wertschätzung der Leibesübungen in den Kreisen des Adels, die bis in die heutige Zeit ausstrahlt. Es Ist Franz Oppenheimer, der vor mehreren Jahren in einem „Sport" betitelten Artikel diesen Zusammenhang beleuchtet hat, und es ist bemerkenswert, wie dieser enge Kausalkonnex

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