Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 2/3 (2.1912)
- Date
- 1912-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965022-5965338--3212-4921973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 No. 2/3 zu tun haben. Nein, man weiß, daß man damit auch den Rest von Sympathien bei allen aufrechten Juden, die sich noch etwas Liebe zu ihrem Volkstum bewahrt haben, einbüßen würde. Man weiß, daß mit einem solchen Schritt die innere Unwahrheit dieser Gebilde noch deutlicher würde. Aber wie dem auch sei, die „Jüdische Turnerschaft" wird nicht schwer an dieser „Konkurrenz" zu tragen haben. Man sehe sich nur den neuesten Jahresbericht des „Posener Turnerbundes" daraufhin an, der einen einzigen KlagegesanK bildet. Es ist alles da: 374 männliche, 114 weibliche Mitglieder, zirka 3300 M. Kasse und Staatspapiere, 2500 M. Jahresbeiträge, sogar ein eigenes Organ erscheint jetzt, nur — der Turnbetrieb ist im Rückgange. Zwar heißt es im Leitartikel der ersten Nummer: „Die große Zahl unserer Mitglieder beweist, daß der Wert und die Richtigkeit unserer Ideen in weitesten Kreisen unserer jüdischen Bevölkerung richtig erkannt und gewürdigt wurden." Aber schon auf der nächsten Seite wird von einem „Aktiven" nachgewiesen, daß die große Zahl der Mitglieder gar nichts beweist. Dort heißt es, daß doch mindestens, ein Fünftel der Mitglieder eines Turnvereins aktiv sein müßten und daß dann 80 Mann in der Männerriege und 30 Teilnehmerinnen in der Frauenriege auf dem Turnboden sein müßten. Tatsächlich ist aber im Jahre 1911 gegenüber dem Vorjahr der Durchschnittsbesuch in der Männerriege von 21 auf IS, in der Frauenriege von 15 auf 14 heruntergegangen. Allzu fest scheinen die Mitglieder auf dem „Standpunkt" des Vereins also nicht zu stehen und indem man bloß möglichst oft das Wort „unsere Ideale" im Munde führt, schafft man noch keine. Man hat sich sogar, um die Kräfte seiner 488 Mitglieder nicht zu zersplittern (!), entschlossen, die Ruderriege dieses Jahr noch nicht einzurichten, obwohl 1000 M. dafür bereits eingegangen und weitere 1000 M, gezeichnet sind. Dafür gibt man aber zur höheren Ehre des Ideals 800 M., ein Drittel der gesamten Einnahmen, ebensoviel wie der gesamte Turnbetrieb kostet, für — Vergnügungen aus, bei denen sogar die „Indolenz der passiven Mitglieder" auf ein Minimum zusammenschrumpft. Es läßt sich eben doch nicht alles mit Oeld machen. Es gehört doch etwas mehr, dazu, und der beispiellose Aufschwung unseres „Jüdischen Turnvereins Posen" beweist, zu welchen Erfolgen auch ohne das Portemonnaie der jüdischen Bourgeoisie die Opferfreudigkeit und Hingabe führen kann, die in unseren Reihen aus dem Bewußtsein erwächst, an einer gewaltigen, zu den höchsten Opfern berechtigenden Idee, an der körperlichen und geistigen Regeneration des jüdischen Volkes mit jüdischer Treue zu arbeiten. Verus. Das Turnsystem in den Jüdischen Vereinen. Von Dr. Heinrich Sterner -Lemberg. Die Verhältnisse, in denen der Urmensch lebte, der niedrige Kulturstand, in welchem ein jeder danach strebte, alle seine Bedürfnisse mit eigenen Kräften zu stillen, der harte physische Kampf ums Dasein entwickelte und erhielt unseren Körper in vollster Frische und Gesundheit. Der Fortschritt der Kultur führte zu einer immer weitergehenden Arbeitsteilung; dadurch entstand der Typus eines physisch einseitig entwickelten, oder fast gänzlich körperlich entarteten Kulturmenschen. Der gesunde