Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 2/3 (2.1912)
- Date
- 1912-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2/3 25 eintretenden Mitgliede nicht programmatisch die Deklarierung des nationaljüdischen Bekenntnisses verlangen. Im Verein soll er zu einem solchen erzogen werden. Diese Argumente halten mich von meinen diesmal radikalen Forderungen nicht ab, sollte es aber so sein, wie mein Freund meint, so richte ich den warmen Appell an die jüdischen Turnvereine: „Gebt Euern Mitgliedern jüdisches Wissen, erzieht sie zu nationalen Juden!"' Das Kartell deutscher Turner jüdischen Glaubens. Zum besseren Verständnis des folgenden Artikels lassen wir die in „Aussicht genommenen" (wir zweifeln nicht an ihrer Annahme!) Leitsätze für das „Kartell deutscher Turner jüdischen Olaubens" folgen: „Das „Kartell deutscher Turner jüdischen Olaubens" bezweckt die körperliche Erziehung aller aufrechten Juden Deutschlands, gleichviel welcher politischen und religiösen Richtung, durch Pflege „des deutschen Turnens". Das Kartell ist keine Kampforganisation gegen den Zionismus, verwirft dagegen die offene oder versteckte Verwendung des Turnens als Mittel zur Verbreitung der zionistischen Idee. Das Kartell wendet sich auch nicht gegen die „Deutsche Turnerschaft" und andere paritätische Turnvereine, sondern will das deutsche Turnen in die weitesten jüdischen Kreise tragen." Jeder Kommentar ist eigentlich überflussig. Aber „difflcile est . . ." D. Red. Wir bitten die Leser dieser Ueberschrift, nicht an einen Witz zu glauben, etwa an einen verfrühten Purimscherz. Es ist vielmehr eine taurige Tatsache, daß die ihrer selbst spottend« Assimilation nunmehr diesen Gipfel der Selbstironie erklimmt, in dieser Beziehung also wirklich „Gipfelturner" gezüchtet hat. Der „Posener Turnerbund" und der Berliner „Jüdische Turnverein von 1905" haben — wie der Jahresbericht des ersteren verrät — entdeckt, daß „ihre Ansichten in allen wesentlichen Fragen übereinstimmen", und sie haben erkannt, „daß ein Zusammenschluß der jüdischen Turnvereine, die ihren Standpunkt teilen, dringend wünschenswert ist". Deshalb soll nun also das „Kartell deutscher Turner jüdischen Glaubens" entstehen, das beileibe nicht etwa eine „konfessionelle Absonderung" darstellt, die die liberalen Führer bekanntlich verdammen. Es soll auch natürlich kein Kampfverein gegen den Zionismus sein, wie die vorgeschlagenen Leitsätze dartun. Auch gegen die Deutsche Turnerschaft wendet sich das Kartell selbstverständlich nicht. Aber es hat einen Standpunkt. Nur daß es dem normalen Menschenverstände schwer möglich ist, etwas derartiges zu entdecken. Er „verwirft die offene oder versteckte Verwendung des Turnens als Mittel zur Verbreitung der zionistischen Idee". Mit dieser beweislosen Verdächtigung soll wohl die Grenzlinie gegenüber der „Judischen Turnerschaft" markiert werden. Aber wo Ist die Grenzlinie gegenüber der „Deutschen Turnerschaft"? Man ist doch ebenso „deutschnational bis auf die Knochen", ebenso deutsch-völkischl Warum turnen diese „deutschen Turner" nicht in der »Deutschen Turnerschaft"? Man hat doch den Anschluß an diese schon wiederholt erwogen; warum zieht man diese logische Konsequenz nicht? Wegen des „jüdischen Glaubens"? . Der sollte doch mit dem Turnen nichts