Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 2/3 (2.1912)
- Date
- 1912-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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24 No. 2/3 haben oft Gelegenheit, Fälle zu erleben, daß hier und da eine ausgesprochen antisemitische Regierung diesen oder jenen Juden zum Kaiserlichen Rat ernennt oder ihm den Titel „von" verleiht, nicht etwa deshalb, weil sie ihn toleriert, sondern deshalb, weil sie auf diese listige Weise seinen Einfluß zu ihren gunsten und zu Ungunsten aller übrigen Juden ausnützt. Und wie jede Aktion eine Reaktion hervorruft, so hat diese List eine Gegenlist hervorgerufen. Die Verteidigung wurde von den Juden auch auf solche Art geführt. Wir sehen in der Geschichte, daß die Juden, um sich den Verfolgungen zu entziehen, scheinweise die Taufe angenommen haben. In der Wohnung hängt ein Kruzifix und im Keller hat man andachtsvoll zu Jehova gebetet. Noch im 20. Jahrhundert nimmt der Reisende in Rußland die Taufe an, während er mit sich gleich die Tefilen führt und strengreligiöser Jude ist. Durch die listige Hintergehung der Juden von seiten anderer Nationen, haben die Juden den offenen Kampf verlernt. Wir Jung-Juden müssen uns in diesre Richtung verbessern. Wir wollen uns nicht mehr im Hinterhalt verstecken, auf offenem Feld wollen wir den Feind erwarten, denn nur so werden wir seine Stärke schätzen können und unsere Kräfte hiernach anspornen. Es ist viel leichter, einen Tiger zu bekämpfen, den man erwartet, als eine Schlange, die aus ihrem Versteck schlüpft. Bevor wir aber einen anderen Hof rein machen, müssen wir den eigenen kehren. Bevor wir den äußeren Feind zu bekämpfen suchen, müssen wir den inneren besiegt haben. Wie soll und kann das geschehen? Jedes Mitglied soll, bevor er in einen jüdischen Turnverein aufgenommen wird, erklären, daß er sich zum Nationaljudentum bekennt. Geschieht das nicht, soll seine Mitgliedschaft nicht angenommen werden. Wenn wir dieses durchgesetzt haben, so haben wir die Evidenz, daß wir „unter uns" sind. Dermals haben wir schon die Möglichkeit, dem Leitworte der Jüdischen Turnerschaft zu folgen, neben der Leibesübung die jüdisch-nationale Gesinnung zu pflegen, indem wir Kurse der hebräischen Sprache und der jüdischen Geschichte errichten, Vorträge über jüdische Literatur veranstalten und die Mitglieder mit allen jüdischen Fragen bekannt machen. „Sie", die Assimilanten, mögen ausbleiben, die Schmarotzer der jüdischen Nation wirken tödlich auf uns, wir müssen sie aus unserer Mitte ausscheiden. Wir wollen ihnen zeigen, daß „wir" nicht „sie" sind, die sich wie ungebetene Gäste in die Gesellschaften fremder Nationen drängen. „Sie" rufen durch ihre feige Politik bei den anderen Nationen Verachtung hervor, während „wir" durch unsere Konsequenz und unser kristallreines Programm Achtung erringen. Die Herren, welche behaupten, daß durch die Nichtdeklarierung des jüdisch-nationalen Charakters des Turnvereins solche Schichten der Bevölkerung herangezogen werden können, die materiell den Verein unterstützen, mögen die Verhältnisse ihrer Vereine mit den bewußt jüdischen vergleichen. Während diese schon eigene Häuser haben, zahlen jene für kleine Spelunken Tausende Mietzins und sind auf den spärlichen Mitgliederbeitrag angewiesen. Das folgt daraus, daß die Selbstbewußten zu den „Offiziellen" kommen und fordern und die anderen nur betteln, und wie einem Bettler wird ihnen der Taler zugeworfen mit einem hochmütigen Kritisieren. Die Bemerkung eines von mir geachteten Freundes veranlaßt mich, zu den ersten Zeilen zurückzukommen. Er meint nämlich, man könnte von einem neu-