Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 2/3 (2.1912)
- Date
- 1912-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2/3 23 Frauenturnen innerhalb der ganzen Jüdischen Turnerschaft wirken. Auch hier müßte die eigene Initiative unserer Turnsehwestern fördernd eingreifen. Zu entscheiden wäre die Frage, ob nur Mitglieder von Vereinen der Jüdischen Turnerschaft starten könnten oder aber, ob die Teilnahme allen Juden zu gestatten wäre. Ein eventuelles Startgeld wäre selbstverständlich nur von Berlinern zu erheben. Um eine rasche Abwicklung der Wettkämpfe zu gewährleisten, müßten dieselben acht Wochen vorher ausgeschrieben und der Meldeschluß auf Anfang Mai festgesetzt werden. Ein schönes Werk, die „Jüdische Olympia", harrt der Ausführung. Auf zur Tat! Wir und Sie.*> Von Bernhard Friedberg - Krakau. Das Leitwort der „Jüdischen Turnerschaft" und manches Erlebte im Milieu eines Jüdischen Turnvereins veranlaßt mich, diese Zeilen niederzuschreiben. In jedem jüdischen Turnwrein wird es vielleicht doch noch manche geben, die sich noch ihres Stammes schämen, in einem jüdischen Milieu unbehaglich fühlen und danach streben, so weit wie möglich die Gesellschaft wenigstens äußerlich unjüdisch zu machen. Sie möchten, daß man bei Kommersen und ähnlichen Veranstaltungen keine jüdischen Lieder singe und sorgen dafür (ungebeten), solchen Abenden den jüdischen Charakter abzusprechen. Spricht man von jüdischen Dingen oder gar jüdisch, so treibt dies diese Herren zur Empörung und sie schreien: „Was? In einem jüdischen TurnvereiH jüdisch sprechen?" „Das ist eine Frechheit!" „Ihr macht den Verein zu jüdisch und bringt ihn zu Fall." Ich habe einen solchen Herrn in seiner Aufregung beruhigt und nahm mir dann die Erlaubnis zu fragen, was er eigentlich denn von einem jüdischen Vereine erwarte? Und in ge- . mäßigtem Tone ganz ernst antwortet mir der Befragte: Die Turnvereine sollten überhaupt den Namen „Jüdisch" nicht tragen. Der öffentlichen Meinung sollte man bekannt geben, daß dieser Verein ein Zweigverein des polnischen Sokol oder des deutschen Turnvereins sei, und daß die Juden nur hier turnen, weil das Milieu hier jüdisch ist. Der Obmann soll vom „Jüdischen" nicht mehr wissen und als solcher der öffentlichen Meinung bekannt sein. Auf Veranstaltungen darf weder jüdisch gesprochen noch etwas Jüdisches gesungen werden. Mit einem Worte, man möchte alles Jüdische dem Verein absprechen. In den folgenden Zeilen will ich diesen Herren antworten und ihnen unser Verlangen klar legen. Wenn ich dies lue, ist's nicht etwa, um die unverbesserlichen Assimilanten aufzuklären, sondern um die Herren, welche behaupten Nationaljuden zu sein und mit den anderen übereinstimmen, ihren Irrtum vor Augen zu halten. Schon seit den frühesten Zeiten suchten die Völker die Juden durch List zu bekämpfen oder sie durch List zu gewinnen. Dies geschah in Form von Zusagen oder Oeschenken. Diese Form hat sich bis heute erhalten, und wir *) Die Forderungen des Herrn Friedberg sind nicht gerade neu, und wir können uns nicht in allem mit ihm identifizieren. Der Artikel scheint uns aber eine würdige Festrede anläßlich der Gründung des „Kartells deutscher Turner jüdischen Glaubens" (vergl. folgenden Artikel). D. Red.