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Jüdische Turnzeitung · 1912-01-01 · 1 (1.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
1 (1.1912)
Date
1912-01-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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18 vollständig, konnten wir doch diesmal das gewohnte Reinerträgnis nicht verzeichnen. Q. Sarajevo (Bosnien). Erstes Schauturnen der Turnsektibn des Jüdischen Nationalvereins. Der Jüdische Nationalverein für Bosnien und Herzegowina hatte die Gelegenheit, am 16. Dezember ein seltenes fest zu feiern: 1. das zehnjährige Stiftungsfest in Verbindung einer großen Makkabäerfeier, und 2., was für die jüdische Turnerwelt von Interesse sein dürfte: das erste Schauturnen seiner noch ganz jungen Turnsektion, welche es nach bloß 16 bis 18 Lehrstunden gewagt hatte, mit ihren Produktionen vor das große Publikum zu treten. — Der Erfolg, der den jungen Turnern hierbei zuteil wurde, ist geradezu großartig zu nennen und wird den Teilnehmern noch lange Zeit in Erinnerung bleiben müssen. Der Vereinspräsident Dr. Otto Hörwitz begrüßte die zahlreich erschienenen Festgäste, unter denen sich auch Vertreter anderer jüdischer Vereine der südslavischen Länder der Österreich-ungarischen Monarchie befanden, und hielt dann einen Rückblick auf das Entstehen des Vereins, würdigte das jetzige Wirken und forderte nach Aufzählung der zahlreichen Vereinsinstitutionen die anwesenden Aschkenazim und Sephardim zum Anschlüsse an den Verein sowie zur regen Beteiligung am Jüdischen Vereinsleben überhaupt auf. Es war dem Verein gelungen, als Festredner für die Makkabäerfeier Herrn Rabbiner Dr. Markus Ehrenpreis aus Sofia zu gewinnen. Er führte in seiner Festrede, die er deutsch begann und mit Rücksicht auf die zählreichen anwesenden Sephardim, spaniolisch fortsetzte, etwa folgendes aus: Auf das Zeitalter der Makkabäer zurückgreifend, verglich er die heutige nationale Bewegung unseres Volkes seit dem Auftreten unseres unvergeßlichen Herzls mit dem damaligen Umschwung, wie Dr. Ehrenpreis sagte, vom passiven zum aktiven Judentum. Herzl sei in diesem Sinne als der neue Makkabi zu betrachten. Seine interessanten Ausführungen lösten bei dem etwa 500 Personen zählenden Publikum reichen Beifall aus. Nun folgte für Sarajevo eine Sensation, welche eine derartige Begeisterung hervorrief, daß es fast unmöglich erscheint, dieselbe zu beschreiben. Die junge Turnsektion des Jüd. Nat. Vereines feierte ihr Debüt: sie gab ihr erstes Schauturnen. — Die hiesige Judenschaft, welche zu den Veranstaltungen der kroatischen oder serbischen (Sokol) Turnvereine nicht geht, sah noch nie Turner, also noch viel weniger jüdische Turner. — Das Schauturnen war daher eine Sensation, als nun die Turner unter den Klängen einer Militärmusik auf die Bühne marschierten, erscholl ihnen em vielhundertstimmiges „Hedad" entgegen, und so manchem Freunde unserer Sache mag verstohlen eine Träne Im Auge geglänzt haben, als er die ziemlich exakt ausgeführten Freiübungen seiner Brüder sah. Den Freiübungen folgten Beifallssalven und stürmische Hedadrufe, sodaß die Turner zu einer Draufgabe gezwungen waren. — Das Geräteturnen gefiel sehr gut und als erst, unter Abspielen der Hatikwah, die hübsch arrangierten Pyramiden in mehrfarbiger elektrischer Beleuchtung an die Reihe kamen, da kannte die Begeisterung des Publikums für die jüdischen Turner keine Qrenzen mehr, und jeder einzelnen Produktion folgte frenetischer Beifall. Hierauf spielte Fräulein Rosi Cinto am Klavier, wofür sie reichen Beifall erntete. Das Quartett der Herren Hoffmann, Wiener, Junpic und Menschik war eine künstlerische Leistung und wurde mit entsprechendem Applaus belohnt. — Der Tanz vereinigte die Jugend bis in die frühen Morgenstunden. — Eine solche Begeisterung, wie bei dieser Makkabäerfeier vorherrschend war, konnten wir hier noch nie konstatieren, was für unsere Bewegung als ein gutes Omen betrachtet werden kann. Das Schauturnen hat dazu gewiß den größten Teil beigetragen. Wir haben hier durch diese außerordentlich gut gelungene Feier gewiß viele neue Anhänger und Freunde gewonnen. Die Turner selbst

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