Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 1 (1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 treten. Der Turnverein hat mit bestimmter Absicht in den sieben Monaten seines Bestehens nichts von sich verlauten lassen. Er sollte erst etwas werden, und hat nun bei seiner ersten öffentlichen Veranstaltung gezeigt, daß er etwas geworden ist. Mit lautem Jubel begrüßtendie zahlreich erschienenen Gäste die Turner und Turnerinnen, die gleichzeitig von zwei Seiten in tadelloser Haltung einmarschierten und nach einem exakt durchgeführten Aufmarsch Aufstellung nahmen. Eine wertvolle Bereicherung erfuhr das Fest durch die Anwesenheit des Herrn Kurt Rosenbaum, der eine äußerst wirkungsvolle Festrede hielt. Dieser folgten die turnerischen Vorführungen der Damen- und Herrenabteilung, bestehend aus Freiübungen, Uebungen am Reck, Barren nnd Pferd, bei denen ein achtungswertes turnerisches Können gezeigt wurde. Nach dem Schauturnen entwickelte sich im ganzen Hause ein äußerst fröhliches Treiben. Während im großen Saal getanzt wurde, fanden im Damenturnsaal, der zu einem stimmungsvollen Kabarettraume umgestaltet worden war, deklamatorische und musikalische Vorträge namhafter hiesiger Künstler statt, die viel Interessantes brachten und dann auch ein großes, beifallfreudiges Publikum fanden. Der Fechtsaal, in dem ebenfalls getanzt wurde, und der Restaurationsraum hatten ihre besondere Dekoration erhalten, die viel zur Erhöhung der Stimmung beitrug, die von Anfang bis zum späten Ende eine ausgezeichnete war. Der Turnverein hat mit diesem Fest einen vollen Erfolg erzielt. Es wurde eine große Anzahl neuer Mitglieder gewonnen, und von der Leitung der Toynbeehalle, die in Händen der Loge liegt, erfolgte die Einladung, dort die turnerischen Vorführungen zu wiederholen. Noch nie hat die Toynbeehalle so viel Menschen gesehen — mehr als 700 — als bei diesem einige Tage später stattgefundenen Schauturnen. Nicht endenwollender Beifall dankte den Turnern und Turnerinnen, und es ist zu hoffen, daß die Begeisterung, die die Turnsache an zwei so verschiedenen Stellen geweckt hat, eine nachhaltige Wirkung üben wird. Der Turnverein wird voraussichtlich die Zahl seiner Mitglieder, die annähernd 200 beträgt, rasch erhöhen können und in Kreisen national erzieherisch wirken, die bis jetzt nicht von der nationalen Sache erfaßt wurden. J. R. Proßnltz. J.T. V. Unsere Makkabäerfeier fand am 6. Januar im „Deutschen Haus" statt. Die Veranstaltung war gut besucht: es nahmen diesmal Gesellschaftskreise teil, die unseren Bestrebungen früher gleichgültig, ja feindlich gegenüberstanden. Und auch eine ganze Anzahl Gesinnungsgenossen aus der Fremde konnten wir als Gäste bei uns begrüßen. So waren besonders die jüdischen Turnvereine Brünn und Ung. Hradisch, die Studentenverbindungen „Qeulah"-Olmütz und „Unitas"-Wien stark vertreten. Die Festrede hielt Dr. Egon Zweig aus Wien in seiner bekannten schlichten Art; die Wirkung seiner Rede war sehr nachhaltig. Dann trug unser Mitglied, Herr Wilhelm Lösegeld, einige Lieder vor und erntete reichen Beifall. Herr Albert Paulmann, Regisseur des Kgl. Stadttheaters in Olmütz. rezitierte Gedichte von Morris Rosenfeld und sorgte dann durch heitere Vorträge für die Unterhaltung des Publikums. Den Schluß bildeten turnerische Vorführungen auf der Bühne. Eine Riege unserer Damen-Abteilung übte unter Leitung von Leo Ballek schwedische Freiübungen, die ungemein gefielen und stürmischen Beifall hervorriefen; eine Riege der Männer-Abteilung (Leiter Rieh. Bobasch) stellte Pyramiden, die. obgleich sehr schwierig, dennoch tadellos ausgeführt wurden. Damit war das Programm des Altends erschöpft und nach einer kurzen Hause begann das Tanzkränzchen, welches alle Besucher der Makkabäerfeier bis in die Morgenstunden hinein beisammen hielt. — Wieder blicken wir auf eine gelungene Veranstaltung zurück, von der wohl alle Teilnehmer befriedigt waren, nur wir selbst nicht