Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 1 (1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 19 sind aber stolz geworden und das kann uns nur nützen! Die anwesenden Vertreter der Sokolvereine haben sich über unsere Leistungen belobend ausgesprochen. W.— Wien. J. T. V. Favoriten. Schauturnen. Am 9. Dezember veranstalteten wir im Festsaale des Verbandsheimes unser erstes Schauturnen. Eröffnet wurde es durch die Freiübungen der Herrenabteilung (Eisenstäbe), denen die Freiübungen der Damenabteilung (Holzstäbe) folgten. Beide Abteilungen fanden den lebhaftesten Beifall, der sich bei den Vorführungen der Jugendabteilung zu hellem Jubel steigerte. Es war aber auch ein einzig schöner Anblick, als die 6—13 jährigen Knirpse, Mädel und Buben, ihre schönen Uebungen mit größter Sicherheit elegant und tadellos vorführten. Nach einer kleinen Pause begann das Qeräteturnen. Die Damenabteilung turnte Pferd—Barren (kombiniert), während die Herrenabteilung durch ein Sektionsturnen am Barren Beweis von ihrem Können lieferte. Die einzelnen, oft recht schwierigen Uebungen, die durchweg exakt und stramm ausgeführt wurden, zeigten eine sichere Beherrschung des Gerätes und verdienten den reichlich gespendeten Beifall im vollsten Maße. Den Abschluß des Schauturnens bildeten noch je eine Pyramide der Herren- und Damenabteilung, die, gut erdacht und durchgeführt, ein wirkungsvolles Bild boten. So können wir wohl mit unserem ersten Schauturnen recht zufrieden sein. Denn die daselbst gezeigten Leistungen müssen in Anbetracht der kurzen Zeit unseres Bestehens — etwas über ein Jahr — in jeder Beziehung einwandfrei genannt werden. Unser lieber Turnleiter med. Adolf Taglicht, der sich unbeirrt durch das Abraten einiger Schwarzseher mit Leib und Seele für das Gelingen bemühte und dem der Erfolg in erster Linie zuzuschreiben ist, mag nun all seine Mühen reich belohnt sehen und daraus für die Zukunft die Kraft zu neuen Erfolgen schöpfen. — Das Publikum war zahlreich erschienen, darunter der Rabiner unseres Bezirkes, Dr. A. L. Mandl, die Vorstände der jüdischen Vereine Favoritens und Mitglieder unserer Brudervereine vom Ersten Wiener, Fiinfhaus und Ottakring. Dieses Schauturnen war für unsre Favoriteuer Juden, die bisher unseren Bestrebungen ziemlich teilnahmslos und ablehnend gegenüberstanden, eine Art Anschauungsunterricht. Mehr als alles Reden und Schreiben zeigte es den Nutzen und die Notwendigkeit des Turnens bei uns Juden. Das bezweckten wir und diesen Zweck haben wir erreicht. Die segensreichen Folgen können nicht ausbleiben! E. Bl. Auf Vorposten im Schwabenland. Auch in Stuttgart regt es sich. Und das kam so. Am 1. Oktober zog ich hin. Als ehemaliger Turnwart der Lissaer jüdischen Gymnasiasten, die ja in der Geschichte der Jüdischen Turnbewegung einen guten Namen haben, war es meine Ehrenpflicht, den jüdischen Turngedanken in meinen neuen Wirkungskreis hineinzutragen. Also ein Stuttgarter Jüdischer Turnverein. Auf jüdisch - nationaler Grundlage selbstverständlich. Sonst wäre es ja ein totgeborenes Kind. — Ans Werk! — Zunächst galt es, die Stimmung zu sondieren. Die Mitglieder der zionistischen Ortsgruppe waren natürlich Feuer und Flamme. Aber was für eine Ortsgruppe! Lauter Ausländer und ganze drei Deutsche. Hier liegt das Qruntlttbel; denn die Ausländer haben auf die „deutschen" Stuttgarter Juden, die sich etwas Besseres dünken, keinen Einfluß. Also zunächst Erstarkung der Ortsgruppe und Heranziehen von „deutschen Staatsbürgern Jüdischer Nationalität"! Und genug haben wir getan! Zwei öffentliche Blunienfeld-Abende, ein Lichtbildervortrag über die praktischen Erfolge des Zionismus in Palästina und — last not least — ein öffentliches, vorzüglich arrangiertes Chanukafest. — Erfolg: Es gibt hier fast keine Antizionisten mehr, nur noch Aziouisten: die allgemeine Meinung: Zionisten sind doch