Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 1 (1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 Krakau. J.T. V. Der neue Ausschuß hat nach dreimonatiger Tätigkeit vor der üblichen monatigen Mitgliederversammlung einen Bericht erstattet. Wir sehen in manchen Richtungen Fortschritte. Vor einigen Wochen wurde ein Unterhaitungsabend veranstaltet, dessen ernsten Teil ein Vortrag des Ingenieurs Schneider über „Das Turnen bei den Juden'- ausfüllte. Dieser sowie der lustige Teil dieses Abends wird in angenehmer Erinnerung aller Mitglieder bleiben. Von der sportlichen Sektion „Bar Kochba" und der Fechtsektion des Jüdischen Turn-Vereins wurden insgesamt drei Tanzkränzchen arrangiert, welche die freundschaftlichen Beziehungen der Mitglieder enger knüpften und der Kasse einen schönen Ertrag lieferten. Anerkennung gebührt unseren Turnschwestern Frl. Infeld und Frl. Herstein, den Wirtinnen am Büffet. Ein öffentlicher Vortrag des Dr. med. Wilhelm Weißglas über das Thema „Der Wert des Turnens für die Juden", in einem, der größten Versammlungssäle Krakaus, zog ein Auditorium von zirka 500 Leuten herbei, die mit größter Spannung den sachlichen Ausführungen des Prolegenten folgten. Durch diesen Vortrag und die Schlußrede unseres Obmannes erlangten wir sowohl moralischen wie materiellen Erfolg, denn viele von den Anwesenden haben ihre Mitgliedschaft angemeldet. Wir danken Herrn Dr. Weißglas auch an dieser Stelle für seinen interessanten Vortrag. Der größte Erfolg, den wir heuer zu verzeichnen haben, ist die Erlangung eines neuen Turnsaales. Bis jetzt haben wir im Turnsaale der evangelischen Schule geübt. Dieser Saal stand uns nur während zwei Abendstunden zur Verfügung. Abgesehen davon war der Saal klein und nicht zweckmäßig, wir konnten uns in solchen Verhältnissen nicht gebührend entwickeln. Erst nach langer Mühe unseres Obmannstellvertreters Dr. Ch. Hilfstein gelang es uns, die Krakauer Jüdische Kultusgemeinde dahin zu bearbeiten, daß sie in ihrem neuen Komplex auch einen Turnsaal erbaut. Nun haben wir schon frohgemut den alten Turnboden verlassen und den neuen besiedelt. Es beginnt für uns eine hoffnungsvolle Periode unserer Entwicklung. Die feierliche Inaugurierung des neuen Saales werden wir mit einem Schauturnen vor der Repräsentanz der Jüdischen Kultusgemeinde, den städtischen Behörden und allen unseren Oönnern vereinen. Dadurch, daß wir den Turnsaal zu ständiger Verfügung haben, ist uns die Möglichkeit geboten, neue Kurse zu eröffnen. So haben wir einen Kursus für Zöglinge von 6—12 Jahren und einen für ältere von 12—18 Jahren. Der erste Kursus hat erst einige Lektionen und zählt schon 70 Kinder. Ein ebenso guter Zuspruch ist auch im anderen Kursus. Besonders die Mädchen-Abteilung ist hervorzuheben; sie bietet ein schönes und frisches Bild. Ein Ball im größten und vornehmsten Saale Krakaus, auf dem sich 300 Paare unter den Klängen der Militärmusik amüsierten, füllte zur Freude unseres Kassierers Rachmiel Landau etwas unsere Kasse, die sich durch die Uebersiedelung und die Anschaffung neuer Geräte geleert hatte. Weniger froh ist die Mitteilung, daß uns Ing. Schneider, nach Lemberg übersiedelnd, verlassen hat. Zum Abschied fand ein Kommers statt, der von Herrn Schneider gestellte Karrrielwein gab dem Abend etwas Jlldlsch-palästinänsiscbes. Die Zionistische Organisation in Krakau hat der National - Fonds- Kommission empfohlen, den Jüdischen Turnverein in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete der Regeneration der Juden in das „Qoldene Buch" einzutragen. Der diesbezügliche Antrag wurde in der Kommission einstimmig angenommen, und die ersten 80 K. sind für diesen Zweck der Sammelstelle überwiesen worden. Bernhard Friedberg. München. Seit Jahren fand in München zum erstenmal wieder eine richtige Makkabäerfeier statt. Der „Jfldische Turn- und Sport-Verein München" hatte sie veranstaltet und ist damit vor die Oeffentllchkelt ge-