Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 1 (1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965022-5965337--3193-4921955- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 No. 1 geführte Barren- und Reckgipfelübungen wie auch Pyramiden vor einem größeren Publikum ihr Können gezeigt. Daß jüdische Turner solche Uebungen mit Exaktheit und Gewandtheit, mit einem solchen Maß von Grazie und ästhetischem Empfinden durchführen können, das war unserem Publikum etwas Unbekanntes und Unbegreifliches. Daß wir in der Lage waren, einen Typus des kräftigen jungen Muskeljuden vor die Oeffentliciikeit zu bringen, das war ein Verdienst der Idee, der wir dienen, die wir auf unsere Fahne geschrieben haben und der wir Anhänger in Drohobycz gewinnen wollten. Unsere Gäste haben die gute Lehre von dem Abende mitgenommen, daß die Renaissance des jüdischen Volkes es dringend erheische, daß der physischen Regenerierung des Judentums im allgemeinen jüdischen Arbeitsprogramm ein wichtiger Platz eingeräumt werden müsse. Es hat vielleicht unter unseren Zuschauern so manchen gegeben, der sich dessen nicht bewußt war, daß die Turnproduktionen nur die Mittel sind, durch die wir die physische Regenerierung der Juden herbeizuführen anstieben, und nicht der Zweck; doch gewährt es eine Genugtuung zu wissen, daß wir diesen Zuschauern gezeigt haben, daß wir den Typus des kranken, engbrüstigen gaUzischen Juden in den Typus eines kerngesunden, strammen, lebensfrohen Juden umzuwandeln vermögen. Die Sympathie des Publikums für unsere Ideen hat Ausdruck gefunden in den zahlreichen Beifallskundgebungen, wie auch in dem herzlichen Empfang, der unseren Turnern an dem zu ihren Ehren veranstalteten Kommers zuteil wurde. Doch mit Bedauern müssen wir zum Schlüsse hinzufügen, daß trotz der glänzenden Erfolge, die solche Turnabende in moralischer Beziehung erlangen, dennoch die Gründung von Turnvereinen bei uns in Galizien, dem von Juden am meisten bewohnten Lande Oesterreichs, sehr schwer vor sich geht. Es fehlen die Leute, die die Gründung der Turnvereine kräftig in die Hand nehmen könnten und wollten. Auch dürften die Herren, die bei uns in Drohobycz die Leitung eines Vereins Ubernehmen könnten und sich ganz in den Dienst der Sache stellen wollten, nicht lange hier wellen. Mit demselben Erfolge wie in Drohobycz hat der „Dror" seinen zweiten Agitationsabend in Stryj absolviert. In Drohobycz am 16. und in Stryj am 17. Dezember, hat der „Dror" der jüdischen Turnidee viele Anhänger und freunde gewonnen. Wir wollen hoffen, daß die Bemühungen der jüdischen Turner nicht fruchtlos bleiben werden. K. Königsberg 1. Pr. Turn- und Sport-Verein. Zwar sind wir noch kein „Jüdischer Turnverein", zwar gehören wir noch nicht der „Jüdischen Turnerschaft" an, aber da das ja nicht unsere Schuld, sondern lediglich der Unverstand gewisser Jüdischer Mitbürger ist, der uns zwingt, anders zu heißen, als wir heißen wollen, da es nur Juden sind, die bei uns turnen, vor allem aber, da unsere Arbeit im besten und weitesten Sinne jüdisch ist, mag es uns gestattet sein, unseren Turnbrüdern und Turnschwestern etwas von unseren Leistungen zu berichten. Nachdem wir im September 1910 unseren Verein begründet, im Oktober etwa 10 Vorturner ausgebildet und mit Mühe und teurem Oelde eine weitab gelegene Turnhalle für unsere Turnabende gemietet hatten, begannen wir am 31. Oktober des Jahres 1910 unseren Turnbetrieb. Ueber den Turnbesuch mögen folgende genau auf den Durchschnitt berechneten Zahlenangaben berichten: ' 1910 November 40,2 Turner Dezember 35,3 »