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Jüdische Turnzeitung · 1912-01-01 · 1 (1.1912) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
1 (1.1912)
Date
1912-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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9 gesteckt. Denn er weiß, ein hohes Ziel potenziert allüberall im Leben die Kräfte. „Zuckt mir die Schnellkraft doch in Knie wie Knöchel." Hier liegt die letzte und klarste Quelle sportlicher Lust im Sprunge. In diesem Qefühl wird sich jeder wirkliche Sportsmann unserer Tage dem Hellenen verbunden fühlen. Wer so seinen Sport versteht, der darf sich ruhig auf die Vorbilder des klassischen Altertums berufen. In dessen Mund klingt solch ein stolzes Bekennen nicht wie eine inhaltleere Phrase. Jenes Wort des Pindaros ist Geist von seinem Geiste, und in Pytheas Adern rollt Blut von seinem sportlichen Blute. „Und weithin übers Meer schwingt sich der Aar." Ohne Grenze wie des Adlers Flug ist das Streben des Sportsmanns. Hat er sein Ziel erreicht, so sieht er bereits ein neues auftauchen. Sein Ringen kennt keine Grenzen. Ein Rekord ist ihm nur so lange ein Ziel, als er ihn von der Höhe grüßt. Dort angekommen, erscheint ihm die Leistung winzig klein und — sein Weg geht weiter. So sportlich dachte man einst im alten Hellas. Da möchte wohl mancher dem Sportgenossen von damals über die Jahrhunderte hinweg in Gedanken die Hand reichen: Wie sich die Zeiten auch ändern, jung sein bedeutet damals, heute und für alle Zeit das gleiche, und der Jugend Ideale bleiben beständig. Pindaros' herrliche Verse sollten als Wahrzeichen echten Sportgeistas an jeder Stätte sportlichen Strebens prangen. Sie sollten den Sport in alle Zeit geleiten und vor Abwegen warnen. Fritz Abraham. Wintersport. Wintersport. — Wer denkt da nicht an Schierke, Krummhübel und Oberhof, an sausende Bobs, im Graben liegende Rodler und Skier, die wider Willen ihrer Herren Selbständigkeltsgelüste zeigen. Nicht zu vergessen das rote Näschen und die blanken Bäckchen, die unter blitzenden Augen aus der Schneehaube hervorleuchten, deren in Sweater, Shawl, kurzes Röckchen und Wickelgamaschen gehüllte Besitzerin stolz die Oefahren ihrer ersten Rodilfahrt schildert. Heute will ich aber von einem anderen Wintersport erzählen, dessen Element weder Eis noch Schnee ist, sondern das Wasser. Auch mit der Bekleidung halten es die Jünger dieses Wintersports ganz absonderlich; ärmelloses Hemde, kurze blaue Hosen, Strümpfe und Schuhe genügen ihm. Du errätst letzt, lieber Leser. Diese Sonderlinge sind Ruderer, sogar jüdische Ruderer, und von deren Winterfahrt will ich jetzt erzählen. Letzte Sitzung vor Weihnachten im Jüdischen Ruderklub „Ivria" zu Berlin. „Wer meldet sich zum 24. Dezember." Acht Hände gehen hoch, acht Stimmen rufen: „Für drei Tage". Und so geschiehts. Am 24. Dezember, um Vi 11 Uhr vormittags, verlaßt der Vierer „Ivria" und der Zweier „Ruth" das Bootshaus in Nieder- Schöneweide. Nach hundert Schlägen werden die Sweater ausgezogen und weiter gehts in sommerlicher Gewandung. Hinter Köpenick begegnen wir keinem Sportsboote mehr. Grünau, das Sportsdenkmal, Schmöckwitz, Zeuthen grüßen im Sonnenschein herüber. Um ein Uhr nimmt uns die Neu-

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