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Jüdische Turnzeitung · 1912-01-01 · 1 (1.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
1 (1.1912)
Date
1912-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 1 7 aus Abhängigkeit vom Kapitalismus so schließen müssen), haben einen Lichtstrahl „Liebe" vorher in ihr Leben iallen sehen. Wenn man gegen die Frühehe nicht nur deshalb ist, weil sie auf dem heutigen Böden unmöglich begründet werden kann und wird, so muß man sich die Frage vorlegen, ob man die unreinen Erscheinungen, welche die Ehe zur Travestie herabziehen, das Geschlechtsleben vielfach in den Schmutz ziehen, nicht bekämpfen kann. Im Qolus werden wir keine richtige Sexualreform durchsetzen können. Wir werden für eine höhere Fruchtbarkeit der jüdischen Mütter, für die Reformen auf dem Qebiet des Mutterschutzes und für eine, Sexualreform eintreten. Ich für meinen Teil glaube ja, daß die Jüdin sich dieselbe Freiheit auf dem sexuellen Oebiet wird erringen wie der Jude, der noch vor 10» Jahren genau wie die Jüdin gebunden gewesen war. Dann kann das wilde Ausleben der Juden bekämpft werden, und die wirtschaftliche Selbständigkeit der Jüdin verlangt nicht, daß der Mann auch das Weib ernähren muß. Im Augenblick und an dieser Stelle ist es nicht geboten, diese Perspektiven weiterzuziehen. Es wird anderen Orts noch geschehen. Wohl aber wird aus dem Gegebenen deutlich hervorgehen, wie das Problem gelagert ist und Klarheit über die Lage zu geben, kann manchmal ebenso verdienstvoll sein, wie Zukunftsmusik zu komponieren, deren Akkorde nicht harmonieren. „Weit von hier grabt mir den Graben, zuckt mir die Schnellkraft doch in Knie wie Knöchel; und weithin Ubers Meer schwingt sich der Aar". So läßt der Grieche Pindaros in seinem fünften Siegessange Pytheas von Aegina ausrufen, dem es schon im Knabenalter gelang, bei den nemeischen Spielen im Fünfkampf obzusiegen. Wären die Worte nicht in die dem deutschen Ohre ungewohnte griechische Versform gefaßt, so könnte man meinen, einer unserer heutigen Weitspringer hätte sie ausgerufen. So sportgerecht im schönsten und modernsten Sinne sind der Geist und die Stimmung, der sie Ausdruck geben. Es ist uns im griechischen Schrifttum ja nicht allzuviel überliefert worden Uber die Art und Weise, in der die damaligen Vorläufer unserer Bewegung die athletischen Übungen gepflegt haben. Lauf, Sprung und Wurf waren ihnen eben eine alltägliche Gewohnheit, die man ausübt, ohne viel darüber zu reden oder zu schreiben. Bewußte sportliche Technik, diese schöne Errungenschaft der letzten Jahrzehnte, war ihnen fremd, und die Tätigkeit ihrer Trainer beschränkte sich fäst ausschließlich auf recht anfechtbare Ratschläge über Diät, Bäder und Salbungen. Hierüber gibt es ja denn auch ausfuhrliche Schriften. Was uns heute aber noch mit jenem Pytheas von Aegina, Poallos von Krotos und wie jene Sporthelden, Uber die uns so spärliche Nachriebt wurde, alle heißen mögen, verbinden sollte,' das ist der Geist, aus dem heraus sie sich ihrer sportlichen Leidenschaft hingaben. Ihr Vorbild sollte uns immer wieder vor einer Verfälschung und Verwässerung des sportlichen Gedankens bewahren, wie sie jetzt so vielfach versucht wird. „Weit von hier grabt mir den Graben", so ruft das stolze Kraftbewußtsein der Jugend, das sich weite Ziele setzt. Heute wie damals. Auch der treffliche Springer auf unserem Bilde hat sich die Sprungmarke weit-

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