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Jüdische Turnzeitung · 1912-01-01 · 1 (1.1912) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
1 (1.1912)
Date
1912-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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5 völkerung, die Kaufleute durch die letzten Jahrhuifüerte gewesen, als Unglück gedeutet werden. Man wird sich schon etwas meine Definitionen ansehen müssen, wenn man über die Fragen debattieren wiH. Ich unterstreiche also nochmals, daß das ausschlaggebende Moment, wen z. B. die Jüdin heiratet, das wirtschaftliche ist. Es gibt selbst keine sehr fromm tuenden Juden, die ihr Kind, wenn sie über eine beträchtliche Mitgift verfügen, einem jungen Talmudüelehrten aus dem Osten geben würden. Der Mann kann der beste, gelehrteste, jüdischste sein!! Man verlangt heute nicht mehr die alten jüdischen Propositionen. Vor allem muß er eine Familie standesgemüß ernähren können, muß ein angenehmes Geschäft oder womöglich einen akademischen Beruf betreiben. Erst nach diesen Voraussetzungen kommen die Forderungen nach Talmudkenntnissen (wie nebensächlich ist doch die jüdische Wissenschaft geworden!), nach körperlicher Eignung etc. Kaum daß der Charakter berücksichtigt wird. Nun sind sehr junge Leute keine Gewähr, daß sie wirtschaftlich reüssieren. Bei unserer Definition von Qlilck wäre es also das Schlimmste, wenn der Schwiegersohn materiell es zu nichts brächte. Schon aus diesem Grunde gibt der Jude seine Tochter nicht einem Handlungsgehilfen, der viel verspricht, der intelligent, fleißig ist. Nein, er muß erst das blühende Geschäft vorzeigen, lieber noch läßt man den Schwiegersohn „einheiraten". Das geht alles auf geschäftlichem Wege durch die Presse, durch Freunde etc. Der natürliche Weg, daß sich allein zwei Menschenseelen finden, die nicht nach Geld, Rang fragen, gilt als Weg für Verrückte. Wir wollen die Frage nicht zu weit ausspinneu und nur noch auf kleine Momente hinweisen, die gegen die Frühehe sprechen. Der einzelne lebt billiger unverheiratet, sorgenloser, wenn seine Existenz nicht gesichert ist, kann leichter Ort, Beschäftigung wechseln, kühne Versuche wagen. Das kann der Verheiratete nicht. In der Ehe lebt sichs teurer, besonders wenn sich Nachwuchs einstellt. Nur wenn die Frau mitverdient, kann auch der wirtschaftlich ungünstig Gestellte heiraten. Das widerspricht aber noch dem letzten Rest der jüdischen Auffassung der Familie, dem Willen der Frauen. Und dabei müssen wir folgendes berücksichtigen: Wenn die Jüdin schon selbständig wird, sich ihr Brot verdient, dann sagt sie sich, wozu soll ich heiraten, wenn ich es nicht be sse r dadurch habe. Und auch hier wirkt die sublimierte Vorstellung, daß das Glück nur die äußere Befriedigung aller Lebensbedürfnisse sei. Jakob Wassermann hat in Renate Fuchs eine herrliche Figur geschaffen, nur daß sie vielfach das ganze jüdische Denken vermissen läßt. Das einem geliebten Manne folgen, einem Menschen, der ohne Geld, ohne Titel im Leben steht, lediglich aus Zuneigung, aus sinnlicher Begier angehören zu dürfen, ist dem Juden, ich möchte es unterstreichen, nicht vollkommen fremd, weil es ein natürlicher Trieb ist. Aber die bürgerliche Konvention hat einen gehörigen Riegel vor solch „narrische" Senthnents geschoben. Idealisten geben aber doch dem Ideal den Ausschlag, daß nicht wirtschaftliche Jnteressen -das Verhältnis zwischen Mann und Frau bestimmen sollen, sondern die feinsten psychischen Bindungen wie erotische Rehte (wo-

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