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Jüdische Turnzeitung · 1912-01-01 · 1 (1.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
1 (1.1912)
Date
1912-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Mo. 1 In der Zeit der freien Judenheit gibt es ja noch einige spärliche ansprechende Liebesaventüren. Im allgemeinen aber überwuchert auch schon hier der Gedanke, daß die Verjüngung in den Kindern der Zweck des Lebens sei. Und nun vollends bleibt es dem Mittelalter überlassen, die jüdische Ehe als die erstklassige Institution für eine starke jüdische Fortpflanzung zu sanktionieren. Ich kann nicht alle Qesetze anführen, die das klare Wesen der damaligen Beziehungen zwischen Mann und Weib charakterisieren. Junge, kaum reife Männer werden im Osten auch heute noch kindlichen Mädchen gegeben. Die Hauptrolle bei dieser Aktion spielen die Eltern. Die Hauptbedingungen sind vielfach materielle, doch galt z. B. großes Thorawissen, die Abstammung von einem berühmten Rabbi etc., als bedeutsames Gut des Bräutigams. Die Familie der Braut spielte eine ausschlaggebende Rolle. Erotische Momente fehlten oder kamen in letzter Linie. Es war ja auch ganz gut, daß die Jugend, die das Leben nicht kannte, sich nicht Gefährtinnen, die sie augenblicklich blendeten, zum Mitleben für Jahrzehnte suchten; sondern daß die Eltern ihnen, halfen, Bräute zu wählen, die vermöge des ganzen Milieus, der Familien etc., leicht sich in die neue Sippschaft einfanden. Es war ganz gleichgültig, wie der Bräutigam, die Braut aussah, ob sie in der Charakteranlage zueinander paßten, ob sie gesundheitlich intakt waren. Wer forschte z. B. nach Krankheiten in der Familie, wie Psychosen, Zuckerkrankheit, Schwindsucht etc. Diese Ehe war also eine durch national-religiöse Gebräuche geweihte Institution mit besonderer Tendenz zur Fortpflanzung der Rasse. — Jetzt müssen wir noch den dritten Grund, der zur Eheschließung führt, keimen lernen: die wirtschaftliche Spekulation. Was das ist, brauche ich, wohl nicht erst genau zu erklären. Die Ehe wird eben zu einem Institut, in dem die Frau versorgt wird, der Mann findet in dem mitgebrachten Kapital eine wirtschaftliche Stütze, da er infolge seines geringen Einkommens oder der zu geringen Ausbreitung seines Betriebes wirtschaftlich noch nicht so sicher gestellt ist, daß Frau und Kinder standesmäßig ernährt werden können, resp. nach dem Tode des Mannes eine ausreichende Versorgung haben. Die große französische Revolution und die Emanzipation haben dein Juden, der doch sicher immer schon Individualist war, die Möglichkeit gegeben, von vielen jüdischen Geboten frei zu kommen und allgemeine Anschauungen, Gewohnheiten fremder Völker zu akzeptieren. Inwieweit dabei die Naturanlage wieder zu Wo.te kam, lasse ich dahingestellt. So finden wir, daß die Ehen unter den Juden ihren Charakter verändern. Wir müssen aber fragen, was ihm an der Ehe das Höchste ist. Und da müssen wir sagen, daß es nicht der jüdischen Vorstellung vom Glück entspricht, daß ein Mädchen den „Geliebten" bekommt, sondern daß der Vater seiner Tochter eine gesicherte Zukunft, eine Heimstätte, womöglich ausgestattet mit glänzendem Prunk, einen Mann mit großen Rosinen bei Hoch und Niedrig wünscht. „Glück" ist für den Juden nicht so sehr innere Zufriedenheit als Reichtum, Macht, Ansehen. Wir wissen ja, welche Autorität ein Professor, ein Geheimrat bei uns genießt; so wie bei keinem Volke bei uns Ehrfurcht vor Reichtum und Verstandesbildung besteht. Also uu- «eordnete wirtschaftliche Verhältnisse. Armut gar müssen bei einer Be-

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