Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 12 (12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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220 No. 12 Keulenschwingen. Der strömende Regen hielt an, aber der Erfolg des Keulenschwingens blieb aus. In den Keulen waren je drei elektrische Birnen von roter, gelber und blauer Farbe angebracht, und das Ganze mit transparentem Papier bekleidet Die Liebenden brachten nun dadurch recht hübsche Farbeneffekte hervor, dass sie die verschiedenen Lampen nacheinander oder gleichzeitig aufflammen Hessen. Leider versagte aber stets die eine oder die andere Lampe, so dass das ganze Bild eine starke Verzerrung erlitt. Ferner störte das laute Zählen des Leiters, wie auch die wohlgemeinte, aber schlecht wirkende Gesangsbegleitung desselben. Die ganze Vorführung machte überdies einen etwas gekünstelten, zu bühnenmassigen Eindruck, der vielleicht für ein grosses Laienpublikum berechnet ist, nicht aber in das eigentliche turnerische Programm hineingreifen sollte. Wenn man auf diesem Wege weitergeht, so wird man bald den Jahn'schen Geist verbannt haben. Am Montag begannen die Sondervorführungen erst um 10 Uhr und erstreckten sich bis in die Nacht hinein. Die [Riege des Allgemeinen Turnvereins Dresden am Doppelreck machte den Anfang. Die beiden Reckstangen waren übereinander angebracht (mit ca. 20 cm Abstand). Grosse Bewunderung erzielte hierbei eine gut ausgeführte Sturzwelle. Der Effekt den der Nürnberger Turnverein mit seinem Fackelschwingen hervorrief, war ein wirklich grossartiger: rings um die Bühne herum war alles in Dunkel gehüllt, so dass die feurigen Kreise und Bögen, welche die brennenden Fackeln in der Luft beschrieben, namentlich auf die ferner Stehenden eine grosse Wirkung hervorriefen. Die Turner selbst, welche die brennenden Fackeln fortwährend an ihrem Kopf vorbeisausen Hessen, zeigten einen hohen Grad von Selbstbeherrschung, und es ist nur dieser Ruhe und Kaltblütigkeit zu verdanken, dass alles glücklich ablief. Es folgten jetzt die Battersea Polytechniks aus London; die Damen waren samtlich Turnlehrerinnen; alle waren gleichmassig gekleidet; blaues kurzes Turnkleid mit rotem Matrosenkragen und roter Schärpe; die Leiterin des Ganzen, Miss More, sah in ihrem Anzug, der sogar bis auf die Strümpfe von schreiendem Rot war, beinahe aus wie der leibhaftige Gottseibeiuns. Dafür entschädigte aber ihr Keulenschwingen, das von einer selten geschauten Sicherheit und Eleganz war. Auch das Keulenschwingen der übrigen Damen war ohne Tadel, wohingegen die Schwungseilvorführungen an Schwierigkeit nichts, wohl aber an Sicherheit viel zu wünschen übrig Hessen. 4 Karlsruher Turner in weisser Matrosenuniform führten ein elektrisches Keulenschwingen vor, welches dasjenige der Amerikaner weit in den Schatten stellte; nicht ein einziges Versagen der Lampen trat ein. Die Uebungen und Pyramiden an 16 zusammenhängenden Trapezen, von 25 Mitgliedern des Turnvereins Schwabach gestellt, „klappten" gut, doch machte diese Vorführung einen zu artistenmässigen Eindruck. „Zur Philosophie des Sports." In einem der neuesten Hefte von „Sport im Bild" lesen wir unter diesem etwas prunkhaften Titel einen kurzen frischen Aufsatz aus der Feder des Ingenieurs Thiel, der,