Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 12 (12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 219 t'ülle wurden hierbei Tamburine benutzt. Das Spiel ähnelt im gewissen Masse dem lawn-tennis, doch gestattet es infolge des grösseren Spielfeldes bedeutend mehr Bewegungsfreiheit, auch ist dazu kein kostspielig herzurichtender Platz erforderlich. Die Regeln dieses sowie all der anderen vorgeführten Spiele sind in kleinen Heften (ä 20 Pfg.) veröffentlicht. Vom Turnen der Ausländer ist namentlich das der Vertreter der Societa Ginnastica „Roma" hervorzuheben. Ihre Leistungen an den Schaukelringen überschritten bei weitem alle Erwartungen, während sie am Barren nichts boten, was über das gewöhnliche Mass unserer besseren Turner hinausgeht. Diesen schlanken, ja fast schmächtigen Gestalten sieht man auf den ersten Blick nicht an, dass sie solche Kraft und Gewandtheit zu entwickeln imstande sind. Stürmischer Beifall wurde ihnen nach jeder einzelnen Uebung zu teil. Zum Schluss zeigten sie eine Vorführung an Handstützen (System Baumann), verbunden mit Marschübungen; die Eleganz und Gleichmässigkeit der Ausführung wurde allgemein als mustergiltig bezeichnet. Hoffentlich gelangen diese Uebungen bald zur allgemeinen Einführung in den Turnbetrieb, da über ihren Wert wohl kein Zweifel mehr besteht. Meines Erachtens eignen sie sich vorzüglich für das Frauenturnen. Die 7 Reprä* sentanten des nordamerikanischen Turnerbundes aus Indianopolis turnten am Barren schwierige und originelle Uebungen mit tadelloser Haltung. Bei weitem schwächer waren die Leistungen des Bloomingdale Turnvereins New-York, gleichfalls am Barren. Von den übrigen Vorführungen sei nur noch kurz erwähnt das Turnen der Altersriege Alldeutschland, an dem ca. 200 Turner, die alle über 40 Jahre zählten, eifrig teilnahmen; ferner die Vorführung des akademischen Turnbundes mit 25 Vereinen, das Turnen der Nürnberger Turnvereine, bei denen die rege Beteiligung von Seiten der Damen angenehm auffiel. Die turnerischen Sondervorführungen fanden auf einer eigens dazu hergerichteten Bühne im Freien vor der Festhalle abends nach Beendigung des Festspieles statt. Am Sonntag Abend begann die Reihe der Sondervorführungen mit einem Keulenschwingen mit einfachen und Doppelkeulen seitens der Leipziger Turnerschaft. Die Uebenden waren so vorzüglich gedrillt, dass während des ganzen Schwingens kein einziger Fehler vorkam. Wir, die wir im Bar-Kochba das Keulenschwingen so gut wie garnicht kennen, sollten wirklich danach streben, uns auch diesen Zweig der Turnkunst ganz zu eigen zu machen. Ein elegant und sicher ausgeführtes Keulenschwingen trägt in hohem Grade dazu bei, namentlich bei den Damen Proselyten für unsere Turnsache zu gewinnen. — Die Leipziger wurden abgelöst vom Turnklub Hannover, dessen rühmlichst bekannten besseren Turner an 3 Recken Gipfelübungen vorführten. Sehr gut war vor allem die von je 2 Turnern an einem Reck gleichzeitig nach entgegengesetzter Richtung ausgeführten Riesenschwünge und Sturzwellen. Hierauf folgte das anmutige Bild eines Kostümreigens von 16 Damen des Turnvereins Nürnberg; je 4 waren gleichfarbig gekleidet. Die hübschen Gesichter passten ausgezeichnet in die Empirekostüme hinein. Die Turnerinnen Hessen sich auch durch den plötzlich hereinbrechenden Regen nicht stören, und donnernder Applaus belohnte sie für ihr unentwegtes Ausharren. Alsdann zeigten die Vertreter der Turngemeinde Philadelphia ein elektrisches