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Jüdische Turnzeitung · 1903-12-01 · 12 (12.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
12 (12.1903)
Date
1903-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 12 217 wie ein Mann schwierige Stabübungen ausführten, da schlug wohl jedem, dem es vergönnt war, dieses imposante Bild zu sehen, das Herz [vor Freude über das, was hier erreicht ward. Man bedenke: 8000 Turner aus allen Gauen Deutschlands, bunt durcheinandergewürfelt, denen niemals zuvor Gelegenheit zu gemeinschaftlicher Ausführung dieser Uebungen geboten war, die einzig und allein in ihren Vereinen geübt hatten — und wie mussten sie geübt haben! — führen alles mustergiltig zu Ende; wohl eine Stunde lang stehen sie mit der grössten Aufmerksamkeit, jeder Muskel gespannt, unter dem Kommando. Und das, nachdem sie von früh Vg1l Uhr an an dem äusserst ermüdenden Festzug teilgenommen. Hier erst erkennt man, was turnerische Disziplin vermag, wenn sie aus eigenem freien Willen heraus befolgt wird. Wann werden auch wir so Grosses leisten, wie es die Deutsche Turnerschaft zu Wege gebracht hatl? Bei dieser Menge war es selbstverständlich nicht möglich, das Kommando durch blossen Zuruf zu geben, sondern auch hier musste das moderne Mädchen für Alles, die Elektrizität, hilfreich eingreifen. Ueber den ganzen Platz waren in gleichmässigen Abständen elektrische Signalglocken verteilt, welche von der Empore des leitenden Turnwarts aus betätigt wurden. Alle Uebungen wurden erst im gewöhnlichen Zeitmass und darauf im Viertakt ausgeführt. Es würde zu weit führen, hier die einzelnen Stabübungen zu beschreiben; es sei daher auf die Veröffentlichung derselben in der Deutschen Turnzeitung verwiesen. Dass auch Fehler vorkamen, ist, ich möchte fast sagen, selbstverständlich in Anbetracht der Zahl derUebenden; aber diese Fehler wurden nur von Kennern bemerkt, dem Laien entgingen sie wohl ganz. So liess anfangs die Ruhe und Sicherheit zu wünschen übrig, bis sich die Turner erst an die Zeichengebung gewöhnt hatten. Gegen das Ende hin erfolgte die Zeichengebung selbst unregelmässig. Um V28 fand der Abmarsch statt. Das Turnen der einzelnen Kreise musste der vorgerückten Stunde wegen fortfallen; nur die Sachsen Hessen es sich nicht nehmen, ihre Sondervorführungen zu zeigen, wurden aber, da die Spannung der Zuschauer mit den allgemeinen Stabübungen ihren Höhepunkt erreicht hatte, durch geringe Aufmerksamkeit belohnt. Am Montag begann früh um 7 das Wettturnen an den Geräten (Sechskampf), zu dem sich 2100 Teilnehmer gemeldet hatten, aber nur 1400 antraten. Geturnt wurde Reck, Barren und Pferd, ferner Stabhochspringen, Weitspringen und Steinstossen. Die recht schwierigen Pflichtübungen wurden im allgemeinen gut ausgeführt mit Ausnahme des Pferdsprungs, der den meisten missglückte. Der Grund hierfür ist wohl darin zu suchen, dass die Geschwünge auf Kosten des Springens selbst zu sehr gepflegt werden. Beim Stabhochspringen wurden im Durchschnitt gute Resultate erzielt. Den Wettturnern kam man in jeder Hinsicht entgegen: man hatte riesige Zelte aufgeführt, die an den Seiten offen waren, so dass ein erfrischender Luftzug herrschte. An den Seiten zogen sich Bänke entlang, für die Turner zum Ausruhen bestimmt. Der Eintritt war ausser den Turnern nur den Kampfrichtern gestattet. Aus dem Sechskampf gingen 198 Sieger hervor, als erster Fritz Zohsel, München, mit 64,5 Punkten. Eine grosse Anzahl Preise fiel diesmal den Süddeutschen zu; die Berliner schnitten mit nur 10 Siegern verhältnismässig schlecht ab. Die Ursache dürfte die alte sein: die Hintansetzung des volkstümlichen Turnens in Norddeutschland.

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