Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 12 (12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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216 No. 12 Eine besondere Bedeutung erhielt die Feier dadurch, dass ihr der Lord-Major von London, der bekanntlich Jude ist, beiwohnte und eine be merkenswerte Rede hielt. U. a. sagte er: Können wir, Juden wie Nichtjuden, nicht stolz darauf sein, dass wir die Freiheit besitzen, unsere Jugend durch militärische Übungen heranzubilden, ohne dass sich der geringste Argwohn gegen uns erhebt, dass wir hiermit einen anderen Zweck im Auge haben, als den, sie wie ihre nichtjüdischen Mitbürger nützlich zu machen für unser gemeinsames Vaterland?" Bedeutsamer noch ist, was Lord Chelmsford, der schon erwähnte Begründer der christlichen Jugendwehr, in seiner Ansprache ausführte: „Wir sind," sagte er, „alle überzeugt, dass die Jewish Lads Brigade ein nationales Werk für die zukünftige Generation vollführt." So werden in England jüdische Vereinigungen zur Hebung der physischen Kräfte unseres Stammes' von Juden und Nichtjuden eingeschätzt, wie aber steht es bei uns in Deutschland? Nicht vieles fehlt ur.d man bezeichnet uns als „vaterlandslose Gesellen". Wir aber wollen uns nicht irre machen lassen in unseren Arbeiten, der wackeren englischen J. L. B. aber, die auf anderem Wege das Gleiche erstrebt wie wir, wünschen wir auch fernerhin ein recht kräftiges, glückliches Gedeihen. Das X. deutsche Turnfest in Nürnberg.*) B. Turnerischer Teil. Von Richard Soldin. Von der Zahl der rein turnerischen Darbietungen auf dem X. Deutschen Turnfest kann man sich erst eine klare Vorstellung machen, wenn man die „Turnordnung", die im Auftrage des Turnausschusses vom Festturnwart Fritz Günzler herausgegeben, durchgesehen hat; es ist dies ein ganz stattliches Heft von 72 Seiten.—Für den Berichterstatter war es wahrlich keine kleine Aufgabe; hiess es doch von früh bis abends gegen 12 Uhr auf dem Plan sein, noch dazu, da viele Veranstaltungen auf dem riesigen Festplatz gleichzeitig stattfanden. Die Reihe der turnerischen Darbietungen wurde erst so recht mit den allgemeinen Stabübungen nach Beendigung des Festzuges am Sonntag eröffnet, obgleich schon am frühen Morgen der sogen. Dreikampf begonnen hatte. Um 7a7 wurde das Signal zum Antreten gegeben. In 20 Kolonnen, jede 4 Mann breit, nahmen alle Teilnehmer, mit Eisenstäben versehen, am Ende des Platzes Aufstellung. Jetzt erfolgte Trompetensignal, und wie ein Mann setzte sich das Ganze in Bewegung; jeder Kolonne voran marschierten Nürnberger Turner, die die Führung übernahmen. Dieses gleichmässige Anmarschieren von ca. 8000 Turnern gab bereits einen Vorgeschmack von den Dingen, die da erst kommen sollten. Nach Beendigung des Aufmarsches und nachdem die erforderlichen Abstände hergestellt waren, gab der Festturnwart das Zeichen zum Ablegen der Oberkleider, und nun bot sich den Zuschauern ein prächtiges Bild dieser muskulösen Gestalten im weissen Turnerhemd, und als dann erst diese 8000 Turner *) Siehe «uch voriges Heft.