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Jüdische Turnzeitung · 1903-11-01 · 11 (11.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
11 (11.1903)
Date
1903-11-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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No. 11 205 Ein bedeutender Teil des Kalenders ist naturgemäss der Entwicklung und Ausbildung der hebräischen und der Jargonsprache gewidmet. Zlocisti giebt einen vortrefflichen Ueberblick über die verschiedenen Jargondichter. Von den rein künstlerischen Beitrügen möchte ich die wundervoll tiefe Skizze von J. L. Perez „Die Witwe" erwähnen, und von Salomon Asch „Auf dem Wege nach Schemenez". Diese freudig-jubelnde Liebe der Natur, dieses tief-innere Versenken in sie, ist in so ergreifender Form selten geschildert worden. „ . . . Aber einen Mond hat Schemenez! . . . Dunkel ist der Himmel; mit Sternen wie mit leuchtendem Mohn bestreut. Und ihrer Mitte der helle Mond. Wirklich Josua's Antlitz, ohne ein einziges Fleckchen. Gottes Abglanz liegt auf seinem heiligen Gesicht. Und er blickt hernieder, der Mond, auf seine liebe Gemeinde Israel und lächelt ihr zu. Aber die Gemeinde Israels muss beten . . ." Verschiedene Gedichte von Morris Rosenfield, ein kleines freudig atmendes „Ghettoliedchen" von Hugo Zuckermann, der „Dorfgeher" von Israel Auerbach, und eine prächtige Satire von Jungmann „Das Lied vom braven Mann" verdienen besondere Erwähnung. Nur etwas vermissen wir in diesem schönen Buch: ohne die jüdische Turnbewegung kann schlechterdings das National-Judentum heute nicht mehr gedacht werden. Möge der Verfasser im nächsten Jahre ihr den ihr zukommenden Platz in seinem Kalender gewähren, er, der für unser Schauturen vor dem Baseler Kongress das prachtvolle Wort vom „geturnten Rechenschafts-Bericht" geprägt hat. E. T. Jüdische Statistik. (Herausgegeben vom „Verein für jüdische Statistik" unter der Redaktion von Dr. Alfred Nossig. Berlin 1903. Jüdischer Verlag. Preis 7 Mark.) Diese erste grosse Publikation des im vorigen Jahre zu Berlin gegründeten Vereins zeugt von der grossen Rührigkeit des Vereins, aber naturgemöss auch von der völligen Unzulänglichkeit seiner Mittel. Unter den heutigen Umständen, wo selbst in Deutschland noch einer streng wissenschaftlichen Untersuchung der jüdischen Verhältnisse sich ungeheure Schwierigkeiten in den Weg stellen, daran zu denken, eine Statistik der Juden in allen Ländern aufzunehmen, ist ein Wagnis. Es ergiebt sich daher auch schon bei einer oberflächlichen Durchsicht des Werkes, dass die uns gebotenen Resultate äusserst mangelhaft sind und uns zu keinerlei begründeten Schlussfolgerungen genügen. Sind doch die einzelnen Aufsätze keineswegs von wissenschaftlich geschulten Statistikern, sondern meistens von Laien bearbeitet. Auch schadet es dem Werk, dass die Untersuchungen nicht „voraussetzungslos" geführt werden, sondern zum grossen Teil von unbewiesenen Voraussetzungen ausgehend, einem Ziel zustreben, welches vor der Inangriffnahme der Enquete bereits dem Forschenden vorschwebte. Dies scheint uns hauptsächlich der Fall zu sein bei der „Enquete über die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung in Baden" und bei der „Enquete Uber die Lage der jüdischen Bevölkerung Galiziens". Aber trotzdem — es wäre Unvernunft, wollte man von diesem ersten Vorstoss schon ein ernstes Resultat verlangen. Was geleistet ist, ist reichlich bewunderungswürdig. Am wertvollsten erscheint uns die Bibliographie

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