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Jüdische Turnzeitung · 1903-11-01 · 11 (11.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
4 (1903)
Issue
11 (11.1903)
Date
1903-11-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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194 No. 11 Ohne dass der Name Goetz genannt wurde, sah man ihn doch als Hinderniss im Wege stehen. Die besondere Veranstaltung des XV. Kreises sollte daher auch eine Protestkundgebung gegen die Führer der Turnerschaft sein, und — war es auch! Der Agitation für die am folgenden Tage beginnende Sitzung des Ausschusses der Deutschen Turnerschaft sollte er gleichfalls dienen. Zu dieser waren eine Anzahl von Anträgen gestellt worden, deren wichtigster dahin ging auch alle übrigen Kreise der Turnerschaft zu „arisieren", d. h. die Juden auszuschliessen. Hierbei kam es zu recht deutlichen Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern des XV. Kreises und dem Vorstande des Ausschusses. Der Antrag wurde abgelehnt. Es ist bezeichnend, dass die Obmänner des österreichischen Kreises jetzt die Zeit gekommen glaubten, um bei der Gesamtheit durchzusetzen, was sie in ihrem Kreise ausgeführt hatten. Ebenso bezeichnend aber ist es, dass niemand unter den übrigen Mitgliedern des Ausschusses den von so mancher Seite erhofften Gegenantrag gestellt hatte, die Österreicher zur Aufhebung des ,,Arier-Paragraphen" zu zwingen. Der von den Herren stets geschmackvoll „judenliberal" genannte „Deutsch-freiheitliche Turn-Verband Österreichs" bleibt bestehen, ausserhalb seines geographischen Kreises, aber innerhalb der Deutschen Turneischaft. Herr Dr. Goetz und der Ausschuss gaben sich alle Mühe, es sowohl den Juden als den Antisemiten recht zu machen. Die ersteren sind mit der Gnade, die ihnen zuteil wird, zufrieden, die letzteren natürlich nicht, denn — l'appgtit vient en mangeant. — Von den nicht turnerischen Darbietungen verdient noch erwähnt zu werden das Festspiel. Man könnte eigentlich richtiger sagen, dass es nicht verdient erwähnt zu werden. Der Inhalt desselben ist ausserordentlich flach und fade, Körner, Jahn und Friesen werden zu einem historisch unwahren Stücke zusammengeschweisst. Alle drei haben wahrlich nicht die Behandlung verdient, die sie hier auf der Bühne erdulden mussten. Vaterländische Festspiele, die so jämmerlich verfasst werden wie dieses, und noch dazu ebenso puppenhaft von mühsam deklamierenden Dilettanten gesprochen werden, sollte man nur einem kleinstädtischen Publikum bieten. Die Festspiele auf den Turnfesten in Hamburg und Breslau standen in jeder Weise turmhoch über der Nürnberger Aufführung. Fünf volle Tage währte das Fest. Vom frühen Morgen bis zur Dunkelheit wurde geturnt und musste geturnt werden, um allen Leistungen gerecht zu werden. Am Mittwoch den 22. Juli abends

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